Wehrbeauftragter: «Am Ende wird europäische Armee stehen»

19.06.2017 08:15

Berlin (dpa) - Nur durch die Zusammenlegung nationaler Streitkräfte
wird Europa nach Ansicht des Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels
(SPD) militärisch schlagkräftig sein. Man sei derzeit unorganisiert,
technisch zersplittert und gebe sinnlos Geld für unnötige
Doppelstrukturen in Europa aus, sagte Bartels der Deutschen
Presse-Agentur. «Wir wollen alle keine nationalen Sonderwege mehr
gehen, Deutschland nicht und auch nicht Holland, Tschechien oder
Italien», sagt Bartels. Die militärische Kleinstaaterei müsse endlich

aufgegeben, der europäische Teil der Nato organisiert werden. Bartels
gab sich überzeugt: «Am Ende wird eine europäische Armee stehen.»

Die Zusammenlegung von Truppen sei ein Trend und Deutschland dabei
ein gesuchter Rahmenpartner. So seien militärische Einheiten von
Deutschland und den Niederlanden bereits miteinander verschmolzen
worden. Tschechien und Rumänien wollten Teile ihrer Heerestruppen in
die Bundeswehr einbinden.

Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten hat zuletzt Bewegung in die
lange sehr schwierige Debatte über die europäische Sicherheits- und
Verteidigungsunion gebracht. Eine Kommandozentrale soll künftig
gemeinsame Militäreinsätze der EU-Staaten steuern. Bis zum Jahresende
sollen nach Angaben des Verteidigungsministeriums Planungsprozesse
harmonisiert und ein Verteidigungsfonds geschaffen werden. «Jeder
Schritt in die richtige Richtung ist wichtig», sagte Bartels.

Das vor allem von Deutschland und Frankreich vorangetriebene Projekt
war zuletzt nicht wie erwartet vorangekommen. Bislang scheiterten
Pläne für eine engere Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung vor
allem am Veto des Noch-EU-Mitglieds Großbritannien.



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