EU-Wettbewerbshüter nehmen sich Werbegeschäft von Google vor

22.06.2021 14:19

EU-Kommissarin Margrethe Vestager nimmt erneut Google unter die Lupe.
Diesmal geht es um das Herzstück des Google-Geschäfts: die
Online-Werbung. Vestagers bisherige Milliardenstrafen verdaute der
Internet-Riese problemlos.

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission hat das bisher weitreichendste
Wettbewerbsverfahren zum Werbegeschäft von Google gestartet - der
Geldmaschine des Internet-Konzerns. Dabei geht es zentral um die
Frage, ob Google sich bei Anzeigendiensten gegenüber Rivalen
bevorteilt und dadurch den Wettbewerb verzerrt habe.

Google sammele Daten zur Personalisierung von Werbung, verkaufe
Anzeigenplatz und trete gleichzeitig als Vermittler bei der
Platzierung von Werbung auf, betonte EU-Kommissionsvize Margrethe
Vestager am Dienstag in Brüssel. Damit sei Google in nahezu allen
Stufen des entsprechenden Werbegeschäfts involviert.

«Wir vermuten, dass Google es konkurrierenden Online-Werbediensten
erschwert haben könnte, am Wettbewerb im Bereich der Werbetechnologie
teilzunehmen», sagte Vestager. Die Wettbewerbshüter gehen unter
anderem der Frage nach, ob Google Werbekunden und konkurrierenden
Anzeigenvermittlern Zugang zu Informationen über das Nutzerverhalten
verwehrt hat, die für seine eigenen Dienste verfügbar sind.

Der Technikgigant steht schon seit Jahren im Fokus der EU-Kommission.
Vestager verhängte in drei Verfahren Bußgelder in einer Gesamthöhe
von 8,25 Milliarden Dollar. Dabei ging es unter anderem um das
Smartphone-Betriebssystem Android und die Shopping-Suche. Google
verdaute die Strafen mit nur leichten Dellen in der Bilanz. Der
Konzern zog zugleich gegen die Maßnahmen vor Gericht.

Die Kommission taucht im aktuellen Verfahren tief in die
Werbemechanismen bei Google ein. Sie prüft unter anderem den Zwang,
die konzerneigenen Dienste «Google Ads oder «Display und Video 360»
bei der Platzierung von Anzeigen bei Googles Videoplattform YouTube
zu nutzen. In diesem Zusammenhang gehen die Wettbewerbshüter dem
Verdacht nach, dass diese Dienste mit der ebenfalls zu Google
gehörenden Anzeigenbörse AdX besser zusammenspielen.

Außerdem will die Kommission Googles Plan unter die Lupe nehmen, in
seinem Webbrowser Chrome die sogenannten Cookies von Drittanbietern
auszumustern und stattdessen eine Sammlung von Software-Werkzeugen
anzubieten.

Google hat auf die Ankündigung bereits reagiert: Das Unternehmen
werde weiter konstruktiv mit der Europäischen Kommission
zusammenarbeiten, um ihre Fragen zu beantworten und die Vorteile
unserer Produkte für europäische Unternehmen und Verbraucherinnen und
Verbraucher aufzuzeigen, hieß es. Tausende europäische Unternehmen
nutzten Googles Werbeprodukte - «weil sie wettbewerbsfähig und
effektiv sind».



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