Orban mahnt deutsche Politik: Regenbogen-Verbot bei EM akzeptieren

23.06.2021 09:28

In der Debatte um die Regenbogen-Beleuchtung der Münchner EM-Arena
hat sich nun auch Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban zu Wort
gemeldet. Er warnt die deutsche Politik vor weiterer Einmischung und
verteidigt das umstrittene ungarische Gesetz.

Budapest/München (dpa) - Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hat
an die deutsche Politik appelliert, das UEFA-Verbot für eine
Beleuchtung des Münchner EM-Stadions in Regenbogenfarben zu
akzeptieren. «Ob das Münchner Fußballstadion oder ein anderes
europäisches Stadion in Regenbogenfarben leuchtet, ist keine
staatliche Entscheidung», sagte Orban am Mittwoch der Deutschen
Presse-Agentur. Auch in Budapest gehören Orban zufolge «die
Regenbogenfarben selbstverständlich zum Straßenbild».

Zuvor hatte die Europäische Fußball-Union UEFA einen Antrag von
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) abgelehnt, die
Münchner Arena am Mittwoch beim Spiel der deutschen Mannschaft gegen
Ungarn in Regenbogenfarben zu erleuchten. Sie sei «aufgrund ihrer
Statuten eine politisch und religiös neutrale Organisation.
Angesichts des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage - eine
Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments
abzielt - muss die UEFA diese Anfrage ablehnen», teilte sie mit.

Die Regenbogenfahne steht als Symbol für die Akzeptanz und
Gleichberechtigung von Menschen, die sich nicht mit dem
traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen Normen rund
um Geschlecht und Sexualität identifizieren.

Hintergrund der Debatte ist ein Gesetz, das die Informationsrechte
von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität
in Ungarn einschränkt und in der vergangenen Woche vom ungarischen
Parlament gebilligt wurde. Das Gesetz gilt als besonderes Anliegen
von Ministerpräsident Orban.

Dazu sagte Ungarns Regierungschef der dpa: «Im kommunistischen Ungarn
wurden homosexuelle Menschen verfolgt. Heute garantiert der Staat
nicht nur die Rechte von Homosexuellen, sondern er schützt sie aktiv.
Die Freiheit des Einzelnen ist das höchste Gut.» Jeder Mensch müsse
sich «fraglos» frei für seinen Lebensweg entscheiden dürfen. Die
Aufklärung heranwachsender Kinder gehöre aber ins Elternhaus. «Wir
schützen diese Aufgabe der Eltern», sagte Orban.

Münchens Oberbürgermeister Reiter hatte die Entscheidung der UEFA als
«beschämend» bezeichnet. Auch weitere Spitzenpolitiker wie Bayerns
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und SPD-Generalsekretär Lars
Klingbeil zeigten sich verärgert über das Verbot. Kanzlerkandidatin
Annalena Baerbock von den Grünen twitterte: «Lasst uns ein starkes
Zeichen der Vielfalt setzen und den Regenbogen durchs Land tragen.»

Eine Reihe anderer deutscher Fußballstadien und öffentlicher Gebäude

soll am Mittwochabend in Regenbogenfarben erleuchtet werden. Der
Lesben- und Schwulenverband Bayern kündigte Protestaktionen vor der
Münchner Arena an. Die Menschrechtsorganisation Amnesty International
kündigte an, sie wolle in Zusammenarbeit mit Christopher Street Day
Deutschland 10 000 Regenbogen-Fahnen am Stadion verteilen. Der
Deutsche Fußball-Bund kündigte an, diese Aktion zu unterstützen.



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