WWF: EU ist ein Zentrum im globalen Handel mit Haifischen

15.07.2021 13:30

Hamburg (dpa) - Bis zu 100 Millionen Haie und Rochen sterben nach
einer Analyse der Umweltstiftung WWF jedes Jahr in der Fischerei. Der
Handel mit Haifisch-Produkten entpuppe sich als ein komplexes,
globales Geschäft, in dem europäische Staaten und die EU eine
zentrale Rolle spielten, teilte der WWF (World Wide Fund For Nature)
in Hamburg mit. Einige Haipopulationen seien aufgrund von
Überfischung um mehr als 95 Prozent eingebrochen. Aktuell seien 36
Prozent der mehr als 1200 bekannten Hai- und Rochenarten vom
Aussterben bedroht.

Der WWF forderte die Verbraucher auf, wenn möglich auf solche
Produkte zu verzichten. In Deutschland werde Hai unter anderem als
Schillerlocke und Hai-Steak verkauft.

«Spanien ist der weltweit größte Exporteur von Haifleisch», schreib
t
der WWF. 184 000 Tonnen seien von 2009 bis 2019 in 85 Länder und
Territorien ausgeführt worden. Die EU ist nach Angaben des WWF
Hauptlieferant für die südostasiatischen Märkte. Mehr als 200 Lände
r
und Regionen importieren und exportieren laut WWF Hai- und
Rochenprodukte.

«Oft steht die Nachfrage nach Haiflossen aus dem asiatischen Raum im
Mittelpunkt», sagte Heike Zidowitz, Haiexpertin des WWF Deutschland.
«Doch unsere Analyse zeigt, dass weltweit eine beträchtliche
Nachfrage nach Fleisch von Haien und Rochen besteht, die den Rückgang
dieser Arten mit vorantreibt.» Sie forderte eine bessere
Rückverfolgbarkeit, um sicherzustellen, dass der Handel legal und
überschaubar bleibe. Auch die weit verbreitete Einstufung von Haien
und Rochen als Beifang sei problematisch. «In vielen europäischen
Thunfisch-Fischereien werden regelmäßig Haie in einem größeren Umfa
ng
als die Zielarten selbst mitgefangen und als lukrativer Fang
vermarktet.»

«Allein dass eine Nachfrage besteht, bedeutet natürlich nicht, dass
dies zum Verschwinden der Populationen beitrüge», erläuterte der
Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, Christopher
Zimmermann. «Es kommt wie bei allen anderen Wildfischen darauf an, ob
es ein funktionierendes Management mit ausreichenden Kontrollen gibt
oder nicht.»

Im Januar hatte eine im Fachjournal «Nature» veröffentlichte Studie
ergeben, dass die Zahl der Haie und Rochen in den Weltmeeren in den
vergangenen 50 Jahren stark gesunken ist. Seit 1970 habe die Zahl
dieser Tiere in den Ozeanen um 71 Prozent abgenommen, schrieben
Forscher um Nathan Pacoureau von der Simon Fraser University im
kanadischen Burnaby.



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