Deutsche Fischer fürchten Konfrontation mit Norwegen

15.07.2021 15:01

Hamburg (dpa) - Wegen des Fischereistreits zwischen Norwegen und
Großbritannien fürchten die deutschen Fischer ihrerseits eine
Konfrontation mit dem skandinavischen Land. Nach dem Brexit versuche
die norwegische Regierung derzeit an mehreren Stellen, eigene
Fangquoten zulasten der EU-Fischer zu erhöhen, hieß es in einer
Mitteilung des Deutschen Fischerei-Verbandes vom Donnerstag. «Weil
der zu verteilende Fischbestand nicht größer wird, muss irgendjemand
für diese Selbstbedienungsaktionen der Norweger die Zeche zahlen»,
sagte der Präsident des Verbandes, Gero Hocker. «Es kann nicht sein,
dass die EU das einfach so hinnimmt.»

Hintergrund des Konflikts sind nach Darstellung der deutschen
Fischerei Verwerfungen nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU.
«Während die EU ein grundsätzliches Abkommen mit Norwegen über Zuga
ng
und Quotenverteilung aushandeln konnte, scheiterten die Verhandlungen
der Norweger mit den Briten.» Als Reaktion habe Norwegen einseitig
die EU-Fangquote für Kabeljau zu eigenen Gunsten gekürzt und wolle
die eigene Quote für Makrelen zulasten der EU erhöhen. «Da im Rahmen

einer nachhaltigen Bewirtschaftung die Gesamtfangmengen nicht
steigen, würde daraus eine dauerhafte Verringerung der
Fischereimöglichkeiten der EU resultieren», so der Verband.

Mit einer Eskalation rechnet der Verband spätestens Ende August,
«weil dann die EU-Fischer aus Deutschland, Spanien, Portugal,
Frankreich und Polen die Quote ausgeschöpft hätten, die ihnen
Norwegen noch zugestehen will». Mittlerweile stehe eine Drohung
Norwegens im Raum, die Schiffe aus fünf EU-Ländern festzusetzen.
«Sollte die EU in dieser Situation die legitimen Rechte der EU-Bürger
nicht verteidigen, drohen dauerhafte Verluste von Fangrechten mit
einem Gesamtwert von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr.»

Großbritannien hat mit dem Brexit auch die Gemeinsame
Fischereipolitik der EU verlassen. Damit wollte die Regierung in
London nach eigenen Angaben die heimische Fischwirtschaft beleben -
und den Zugang für europäische Fischer in britische Gewässer
erschweren. Gleichzeitig hat London durch den EU-Austritt auch
gemeinsame Abkommen über den Zugang zu Gewässern Norwegens und
anderer Länder verlassen, wo ein Großteil der für Fish and Chips
verwendeten Arten wie Kabeljau und Schellfisch gefangen werden.



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