Johnsons Ex-Chefberater Cummings: Wollten Premierminister austauschen

20.07.2021 19:04

London (dpa) - Der ehemalige Chefberater Boris Johnsons, Dominic
Cummings, wollte den britischen Premierminister «innerhalb von Tagen»
nach dessen Wahlsieg durch einen anderen Politiker ersetzen. Das
sagte Cummings in einem BBC-Interview, das am Dienstag in Auszügen
gezeigt wurde. Demnach gab es bereits kurz nach dem überwältigenden
Sieg Johnsons bei der Parlamentswahl im Dezember 2019 Gespräche
zwischen Beratern im Regierungssitz Downing Street über einen
möglichen Wechsel an der Spitze. Wie genau das hätte gehen sollen,
erläuterte Cummings allerdings nicht.

Grund dafür sei gewesen, dass Johnsons Frau Carrie ihn und seine
Kollegen von der Pro-Brexit-Kampagne «Vote Leave» habe loswerden
wollen, so Cummings weiter. Über Johnson sagte er: «Er hat keinen
Plan, er weiß nicht, wie man Premierminister ist und wir haben ihm
nur ins Amt verholfen, um ein bestimmtes Problem zu lösen (den Brexit
zu vollziehen), nicht weil er der Richtige gewesen wäre, um das Land
zu führen.»

Cummings gilt als Stratege hinter dem Sieg der Brexit-Befürworter im
EU-Referendum 2016 und dem der Konservativen unter Johnson in der
Parlamentswahl 2019. Zeitweise galt er als zweitmächtigster Mann des
Landes. Ende vergangenen Jahres kam es jedoch zum Bruch zwischen
Johnson und seinem Berater. Cummings musste gehen - und seitdem
erhebt er immer wieder schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Chef.

Über den Brexit sagte Cummings, niemand könne wissen, ob es eine gute
Idee gewesen sei, aus der EU auszutreten. «Ich glaube jeder, der
behauptet, darüber Gewissheit zu haben, hat eine Schraube locker», so
der Ex-Berater.



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