Athen: Zypernkonflikt gefährdet Beziehungen zwischen EU und Türkei

21.07.2021 15:57

Nikosia (dpa) - Der griechische Außenminister Nikos Dendias will die
neuerliche Eskalation im Zypernkonflikt auf die Agenda der EU setzen.
Dendias fordert zudem Konsequenzen. «Es gibt keinen Rahmen für die
Verbesserung der Beziehungen zwischen der EU und der Türkei, solange
die Türkei auf Zypern illegal agiert», sagte er am Mittwoch bei einem
Besuch in der zyprischen Hauptstadt Nikosia. Ein Sprecher des
deutschen Auswärtigen Amtes äußerte sich auf Anfrage der griechischen

Nachrichtenagentur ANA ähnlich: Einseitige Schritte der Türkei
gefährdeten die Fortschritte der vergangenen Monate in den
Beziehungen zwischen der EU und der Türkei, sagte er.

Am Dienstag hatte Nordzypern - der seit 1974 türkisch besetzte Teil
der Insel - angekündigt, Teile der verlassenen Küstensiedlung Varosha
wieder zu besiedeln. Der Geisterort, in dem einst griechische Zyprer
lebten, soll jedoch laut UN-Sicherheitsrat nur unter UN-Mandat
wiederbesiedelt werden. International wurde die Ankündigung
Nordzyperns scharf kritisiert. Durch solch einen Schritt würden die
Bemühungen zerstört, die Insel irgendwann wieder zu vereinen. Aus
Berlin hieß es, man fordere die Türkei auf, sich an alle
UN-Resolutionen zu halten und die Kontrolle der Region an die
UN-Blauhelme zu übergeben. Die Regierung in Nikosia wollte noch am
Mittwoch den UN-Sicherheitsrat anrufen und eine außerordentliche
Sitzung beantragen.

UN-Vertreter scheitern seit Jahrzehnten an Vermittlungen zur
Überwindung der Teilung der Insel. Ankara sieht keine Chance mehr auf
eine Wiedervereinigung und fordert stattdessen die Errichtung zweier
unabhängiger Staaten. Das wiederum wollen weder die griechischen
Zyprer noch die EU oder die UN. Sie propagieren die Bildung zweier
gleichberechtigter Bundesstaaten unter einer zentralen Regierung. Die
Interessen sind groß: Durch seine geografische Lage ist Zypern ein
strategisch wichtiger Posten im östlichen Mittelmeer. Nordzypern wird
weltweit nur von der Türkei als Staat anerkannt



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