Maritime Wirtschaft kritisiert EU-Regeln für «grüne» Investments

23.07.2021 04:30

Hamburg (dpa) - Die EU-Kommission gefährdet aus Sicht der maritimen
Wirtschaft die Klimawende in der Schifffahrt. Stein des Anstoßes sind
von der Brüsseler Behörde definierte Kriterien, welche Investitionen
künftig als «grün» gelten dürfen - mit gravierenden Konsequenzen
für
Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten. In einem Brandbrief an die
Bundesregierung setzen sich acht Verbände dafür ein, die
entsprechenden maritimen Regeln zu stoppen und zu überarbeiten. Das
Thema gehört, wie die vor kurzem präsentierten Klimaziele, zum «Green

Deal» der EU.

Die Branchenvertreter kritisieren, dass von 2026 an nur noch solche
Schiffe als nachhaltig gälten, bei denen keine CO2-Emissionen direkt
aus dem Schornstein kommen. «Der Ansatz, Schiffsemissionen
ausschließlich am Schornstein zu bewerten und nicht die
Klimaneutralität eines Antriebskonzeptes eines Schiffes insgesamt,
ist falsch, löst die Klimakrise nicht und wird der Innovations- und
Wettbewerbsfähigkeit der Maritimen Wirtschaft schweren Schaden
zufügen», heißt es in dem Schreiben, das der dpa vorliegt. Die
EU-Kommission hatte im April Details der sogenannten «Taxonomie»
präsentiert. Dieser «delegierte Rechtsakt» zu der seit 2020 geltenden

Taxonomie-Verordnung soll definieren, welche wirtschaftlichen
Aktivitäten «substanzielle positive Auswirkungen auf das Klima und
die Umwelt» haben.

Die Details sind technisch, doch auch politisch umstritten, weil
Weichen für Finanzströme gestellt werden. So fürchten die maritimen
Verbände nun, das Finanzierungsinstrumente der öffentlichen Hand und
EU-Beihilferegeln entsprechend angepasst werden, so dass
Schiffsfinanzierungen oder die staatliche Förderung schadstoffarmer
Treibstoffe künftig unmöglich würden.

Der von der maritimen Wirtschaft kritisierte «Schornstein-Ansatz»
reduziert aus ihrer Sicht das künftige Treibstoffportfolio der
Schifffahrt auf Wasserstoff, Ammoniak und Batteriestrom. Stattdessen
würden Bio-Kraftstoffe und klimaneutrale Treibstoffe wie zum Beispiel
synthetisches Methanol verhindert. Diese seien jedoch «besser für
maritime Anwendungen geeignet», während Wasserstoff und Batterien aus
Sicht der Branche im Langstreckenverkehr keine Alternative sind.



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