Neue Scheine und Corona-Flaute: Schwere Zeiten für Geldfälscher Von Jörn Bender und Friederike Marx, dpa

23.07.2021 10:30

Die Corona-Krise erschwert auch Geldfälschern das Handwerk. Weil
Feste ausfielen und Gaststätten zeitweise geschlossen waren, hatten
die Kriminellen weniger Gelegenheit, Blüten unters Volks zu bringen.
Der Abwärtstrend beim Falschgeld könnte sich jedoch wieder umkehren.

Frankfurt/Main (dpa) - Es hat Seltenheitswert, dass Fahnder eine
Geldfälscher-Bande mit Verbindungen zur italienischen Mafia
zerschlagen wie in diesem Frühjahr in Nordrhein-Westfalen. Das liegt
vor allem daran, dass viele Kriminelle gar nicht erst versuchen, in
großem Stil Euro-Blüten mit «hoher Professionalität» - so die
damalige Beschreibung der Ermittler - unters Volk zu bringen. Sie
setzen eher auf nachgemachte Geldscheine, die im Internet unter den
Begriffen «Movie Money» oder «Prop copy» als Spielgeld oder
Filmrequisite angeboten werden. Gelegentlich wird dann mit Tipp-Ex
nachbehandelt, um der falschen Banknote mehr echten Schein zu
verschaffen.

Mitunter reichen auch recht plumpe Tricks, um Falschgeld an den Mann
zu bringen: So ließ sich ein in Geldnot befindlicher Firmeninhaber
aus Mecklenburg-Vorpommern im April 2021 nach Paris locken, wo ihm
ein privater Geldgeber 75 000 Euro versprach. Zugleich verlangte
dieser, dass ihm 30 000 Euro in kleinere Stückelungen gewechselt
werden. Der Unternehmer brachte also 30 000 Euro in bar zu dem
Treffen mit - und musste später feststellen, dass ihm im Gegenzug
gefälschte 500-Euro-Scheine untergejubelt worden waren.

Insgesamt jedoch sind die Falschgeldzahlen sowohl in Deutschland als
auch im Euroraum weiter gesunken, wie die Deutsche Bundesbank am
Freitag mitteilte. 21 356 gefälschte Euro-Banknoten im Nennwert von
gut einer Million Euro zogen Polizei, Handel und Banken demnach in
Deutschland in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres aus dem
Verkehr. Das waren 13 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2020
(24 633). Der Schaden schrumpfte von seinerzeit gut 1,2 Millionen
Euro um 16 Prozent.

Europaweit registrierten die Euro-Notenbanken im ersten Halbjahr 2021
insgesamt 167 000 gefälschte Euro-Banknoten im Gesamtwert von 8
Millionen Euro. Damit setzte sich der seit der zweiten Jahreshälfte
2019 zu beobachtende rückläufige Trend fort. Im ersten Halbjahr 2020
waren es nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) 240 000
Falschnoten, in der zweiten Jahreshälfte 2020 dann 220 000 Stück. Der
Schaden durch Falschgeld für ganz Europa summierte sich 2020 auf 21,5
Millionen Euro.

«Die Anzahl der Fälschungen stieg nach der Einführung der neuen
Europa-Serie zunächst kurz, weil die Restbestände an Fälschungen der

ersten Serie in den Zahlungsverkehr gelangten, dann sank sie einige
Jahre lang», bilanzierte Bundesbank-Vorstandsmitglied Johannes
Beermann. Die Notenbanken im Euroraum haben seit 2013 eine zweite
Serie von Euro-Scheinen mit neuen Sicherheitsmerkmalen in Umlauf
gebracht. Vor allem das durchsichtige Porträtfenster und die
Smaragdzahl, die beim Kippen des Scheins die Farbe ändert, sollen
Fälschern die Arbeit erschweren. Bei den neuen 100- und
200-Euro-Scheinen gibt es zudem ein «Satelliten-Hologramm», in dem
sich kleine Euro-Symbole bewegen.

In den vergangenen Monaten drückten die Corona-Einschränkungen in
Handel und Gastronomie die Falschgeldzahlen zusätzlich. «Die
Konsummöglichkeiten waren gerade in den Bereichen, in denen Bargeld
eine bedeutende Rolle spielt, stark eingeschränkt», erklärte
Beermann. «Ich fürchte, sobald die Corona-Beschränkungen wegfallen
und das soziale Leben wieder zunimmt, werden vermutlich einige wieder
versuchen, Falschgeld in Umlauf zu bringen.»

Ein Großteil der sichergestellten Fälschungen ist inzwischen «Movie
Money» oder «Prop copy». «Das sind einfache Druckfälschungen ohne

jegliche Sicherheitsmerkmale», betonte Beermann. «Wenn man nur das
Material fühlt, merkt man leicht und schnell, dass es sich um
Falschgeld handelt.» Vor allem beim 10-Euro-Schein und beim
20-Euro-Schein kommt dieses Spielgeld oft vor. In Deutschland hat der
Zwanziger mit einem Anteil von rund 41 Prozent an der Gesamtzahl der
Fälschungen den Fünfziger nun überholt.

Verhältnismäßig selten versuchen Kriminelle, mit falschen Münzen
Kasse zu machen. 14 563 falsche Münzen wurden nach Angaben der
Bundesbank in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres in
Deutschland aus dem Verkehr gezogen, zu über 90 Prozent
Zwei-Euro-Münzen. Die Zahl der Falschmünzen verringerte sich im
Vergleich zum zweiten Halbjahr 2020 um 35 Prozent.

Rein rechnerisch ist das Risiko sehr gering, mit Falschgeld in
Berührung zu kommen. Nach Bundesbank-Berechnungen entfielen im ersten
Halbjahr in Deutschland fünf falsche Banknoten auf 10 000 Einwohner,
europaweit waren es zehn. Dennoch sollten Verbraucher genau
hinschauen, mahnen die Währungshüter. Denn wem ein falscher Schein
untergejubelt wird, bekommt dafür keinen Ersatz.



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