Bundesbankpräsident hält EZB-Beschlüsse für zu weitgehend

23.07.2021 19:16

Frankfurt/Main (dpa) - Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat gegen
die geldpolitischen Beschlüsse des EZB-Rats am Donnerstag gestimmt.
Ihm sei «die potenziell zu lange Fortschreibung des
Niedrigzinsumfelds zu weitgehend», sagte er der «Frankfurter
Allgemeinen Zeitung» in einem am Freitag veröffentlichten Interview.
Es herrsche im EZB-Rat aber Einigkeit, «dass eine expansive
Geldpolitik derzeit angemessen ist».

Die Notenbank strebt inzwischen für die 19 Staaten des Euroraums
mittelfristig eine jährliche Teuerungsrate von zwei Prozent an - und
das möglichst über einen längeren Zeitraum. Dabei nimmt sie auch in
Kauf, die Inflation vorübergehend moderat über dem Zielwert liegt.
Zuvor lag das EZB-Inflationsziel bei «unter, aber nahe zwei Prozent».

Vor Weidmann hatte bereits der belgische Notenbankchef Pierre Wunsch
gesagt, ihm gehe das neue Zinsversprechen der Notenbank zu weit. Es
sorge sich um die Glaubwürdigkeit, sagte er dem Fernsehsender CNBC.
«Ich weiß nicht, ob es angemessen sein wird, in drei, vier, fünf oder

sieben Jahren noch negative Zinsen zu haben.»

Weidmann rechnet unterdessen zunächst mit einer stark steigenden
Inflationsrate. «Meine Fachleute erwarten etwa für Deutschland zum
Jahresende 2021 Raten, die in Richtung fünf Prozent gehen könnten.»
Hier seien aber vor allem vorübergehende Effekte am Werk.
Längerfristig müsse man die unterschiedlichen Faktoren dennoch genau
im Auge behalten. Weidmann betonte, dass er im neuen Inflationsziel
der EZB von zwei Prozent, das in der neuen Notenbank-Strategie
festgelegt wurde, «weder eine Verschiebung hin zu deutlich höheren
Inflationsraten noch einen dramatischen Kurswechsel» sieht.



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