WHO-Kommission: Gesundheitswesen muss dringend reformiert werden

10.09.2021 08:03

Die Fehler der Corona-Krise dürfen sich nicht wiederholen: Zu diesem
Schluss kommt eine von der WHO Europa eingesetzte Kommission. Dessen
italienischer Vorsitzender macht klar, was sich ändern müsse.

Kopenhagen (dpa) - Eine Kommission der Weltgesundheitsorganisation
WHO hat die Länder in Europa und darüber hinaus zu umfassenden
Reformen ihrer Gesundheitssysteme aufgerufen. Trotz wiederholter
Warnungen vor einer globalen Pandemie sei die Welt nicht auf das Ende
2019 aufgetretene Coronavirus vorbereitet gewesen, erklärte das
WHO-Regionalbüro Europa am Freitag. Anlass ist die Veröffentlichung
eines Abschlussberichts der vom italienischen Ex-Ministerpräsidenten
Mario Monti geleiteten Kommission, die während der Pandemie
eingesetzt worden war.

Voneinander abweichende und fehlerhafte politische Schritte hätten
dazu geführt, dass die Folgen von Covid-19 katastrophal gewesen seien
und es weiter blieben. Mehr als 1,2 Millionen Menschen seien in
Verbindung mit einer Corona-Erkrankung in der europäischen Region
gestorben, die Wirtschaft habe zudem einen beispiellosen Abschwung
erlebt, der selbst die globale Finanzkrise 2008 in den Schatten
stelle. Die gemachten Fehler dürften sich nicht wiederholen.

«Wir können nicht zulassen, dass eine andere Pandemie die Welt in die
Knie zwingt, und müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um zu
verhindern, dass eine Katastrophe gleichen Ausmaßes noch einmal
passiert», erklärte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge. Größte
Herausforderung sei nicht das Finden erfolgreicher Strategien
gewesen, sondern das kollektive Unvermögen, diese Strategien effektiv
umzusetzen.

Die Kommission, die offiziell Paneuropäische Kommission für
Gesundheit und nachhaltige Entwicklung heißt, ist im August 2020 von
der WHO Europa eingesetzt worden, um Lehren aus der Pandemie zu
ziehen und Verbesserungsvorschläge auszuarbeiten. In ihrem nun
vorgelegten Abschlussbericht empfahl sie mehrere umfassende Reformen
der Gesundheits- und Sozialsysteme: Gemäß eines «One Health»-Konzep
ts
müsse unter anderem die Verflechtung der Gesundheit von Menschen,
Tieren, Pflanzen und ihrer gemeinsamen Umwelt anerkannt werden,
schrieben die Experten.

Den in der Pandemie deutlich gewordenen tiefsitzenden Ungleichheiten
bei der Gesundheitsversorgung sowie in sozialer, wirtschaftlicher und
geschlechtsbezogener Hinsicht müsse begegnet werden, hieß es. Zudem
müsse stärker in die nationalen Gesundheitssysteme sowie in
Innovationen und das Sammeln und Teilen von Daten investiert werden.
Alleingänge müssten künftig vermieden werden.

«Was die Welt unserer Ansicht nach braucht, ist eine mutige neue
Strategie für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung im Lichte von
Pandemien», erklärte Monti im Vorwort des Berichts. Die Pandemie habe
die Erde in einen echten, nicht simulierten Stresstest versetzt.
«Dieser Test», so Monti, «hat mit beispielloser Klarheit eine ernste

chronische Krankheit der politischen Entscheidungsfindung offenbart:
Kurzsichtigkeit.»

Der Monti-Kommission gehören Vertreterinnen und Vertreter aus
Wissenschaft, Politik und Wirtschaft an, darunter die deutsche
Ökonomin Luise Hölscher. Die WHO-Region Europa besteht aus 53
Ländern, darunter nicht nur die Mitgliedstaaten der EU, sondern etwa
auch Russland, weitere osteuropäische Nationen und die Türkei.



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