EU-Kommission will bestimmte Antibiotika für Menschen reservieren

10.09.2021 16:15

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission will die Zahl von in der
Tiermedizin zugelassenen Antibiotika auf ein «absolutes Minimum»
reduzieren. Das geht aus einem am Freitag veröffentlichen Papier de
r
Brüsseler Behörde hervor. Über das Thema wird vor allem in
Deutschland sehr emotional gestritten.

Befürworter strengerer Regeln argumentieren, dass durch den
massenhaften Einsatz von Antibiotika mehr resistente Erreger
entstehen, die für den Menschen tödlich sein können. Der
Bundesverband praktizierender Tierärzte hatte zuletzt mit einer
umstrittenen Kampagne gewarnt, dass von einer möglichen Verschärfung

entsprechender Regeln das Leben von Haustieren abhängen könnte.

Ranghohe Kommissionsmitarbeiter betonten am Freitag, dass so wie die
Regeln derzeit geplant seien, der Einsatz von gewissen Antibiotika
auch bei Haustieren zulässig sei, wenn es keine Alternative gebe.
Gleiches gelte für Tiere in der Viehzucht und -haltung. Künftig
sollen dem Vorschlag der Kommission zufolge drei Kriterien
entscheidend sein, ob ein Antibiotikum für Menschen reserviert wird.
Es gehe um deren Bedeutung für die menschliche Gesundheit, das Risiko
einer Resistenzübertragung und darum, ob das Mittel unerlässlich für

die Tiergesundheit ist.

Der Grünen Agrarpolitiker Martin Häusling geht davon aus, dass dann
von 24 wichtigen Antibiotikaklassen 16 für die Tiermedizin komplett
verboten wären. Eine konkrete Liste, welche Mittel betroffen wären,
wird laut Kommission derzeit von der Europäischen Arzneimittelbehörde

(EMA) ausgearbeitet. Diese könne aber erst fertiggestellt werden,
wenn das Europaparlament kommende Woche über einen Rechtstext zu dem
Thema abgestimmt habe. Offiziellen Angaben zufolge sterben in der EU
jedes Jahr 33 000 Menschen wegen antibiotikaresistenten Erregern.



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