EZB-Direktorin Schnabel erwartet keine dauerhaft höhere Inflation

13.09.2021 12:36

Baden-Baden (dpa) - Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet laut
Direktorin Isabel Schnabel keinen dauerhaft erhöhten
Preisniveau-Anstieg. «Aller Voraussicht nach wird sich die Inflation
im kommenden Jahr wieder spürbar abschwächen», sagte Schnabel am
Montag anlässlich des Baden-Badener Unternehmergesprächs. Die
aktuellen Inflationszahlen seien in Anbetracht der sehr niedrigen
Inflation im Vorjahr mit Vorsicht zu interpretieren, erklärte
Schnabel. Die Notenbank sei jedoch wachsam und bereit, falls nötig zu
handeln.

Zuletzt waren Inflationssorgen in der deutschen Öffentlichkeit
stärker thematisiert worden. Die EZB hatte hingegen ihre sehr lockere
Geldpolitik am vergangenen Donnerstag weitgehend bestätigt. Im August
war die Inflationsrate im Euroraum auf drei Prozent gestiegen. Sie
liegt damit deutlich über dem Inflationsziel der EZB von zwei
Prozent. Schnabel erwartet, dass die Inflation bis zum Jahresende
weiter steigen wird.

Die EZB werde jedoch nicht auf kurzfristige Schwankungen der
Inflationsrate reagieren, so die deutsche Direktorin. Man erwarte,
dass die Inflation ab Beginn des kommenden Jahres sich wieder
deutlich abschwächen und im Laufe der Zeit wieder unter den Zielwert
von zwei Prozent fallen werde. Derzeit würde die Inflation von
statistischen Effekten getrieben. «Vereinfacht ausgedrückt, ist die
Inflation heute vor allem deshalb so hoch, weil sie im Vorjahr so
niedrig war», sagte Schnabel. Sie verweist auf die
Mehrwertsteuersenkung in Deutschland und den Preisverfall an den
Rohstoffmärkten im Zuge der Pandemie, die dazu geführt hätten, dass
die Inflation im vergangenen Jahr im Euroraum über längere Zeit
negativ war.



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