Lieferkettensorgen: London verschiebt Einfuhrkontrollen nach Brexit

14.09.2021 13:55

London (dpa) - Wegen der Folgen von Brexit und Corona-Pandemie auf
Lieferketten und Unternehmen verschiebt die britische Regierung die
Kontrollen auf Einfuhren aus der EU erneut um mehrere Monate. Dabei
geht es darum zu prüfen, ob Lebensmittelstandards eingehalten werden.
«Die Pandemie hatte langfristigere Auswirkungen auf Unternehmen,
sowohl im Vereinigten Königreich als auch in der EU, als viele
Beobachter noch im März erwartet haben», teilte der britische
Brexit-Beauftragte David Frost am Dienstag mit.

Eigentlich sollten die britischen Grenzkontrollen vom 1. Januar 2022
an greifen, ein Jahr nach dem Austritt Großbritanniens aus
EU-Zollunion und Binnenmarkt. Einige Lebensmittel sollten bereits vom
1. Oktober an kontrolliert werden. Die EU nimmt ihrerseits schon seit
Januar Waren aus Großbritannien genau unter die Lupe. Dadurch kommt
es immer wieder zu Verzögerungen. Vor allem der Handel mit frischen
Lebensmitteln ist infolge fehlender Lastwagenfahrer und höherer
Transportkosten unter Druck geraten.

«Wir möchten, dass sich Unternehmen auf die Erholung von der Pandemie
konzentrieren, anstatt sich mit neuen Anforderungen an der Grenze
auseinandersetzen zu müssen», sagte Frost. «Aus diesem Grund haben
wir einen pragmatischen neuen Zeitplan für die Einführung
vollständiger Grenzkontrollen festgelegt.» Erst vor kurzem hatte
Großbritannien einseitig die Anwendung von Brexit-Regeln für den
Handel zwischen Nordirland und dem Rest des Landes aufgeschoben.

Wirtschaftsvertreter reagierten irritiert. So kritisierte der Verband
der Lebensmittel- und Getränkehersteller FDF die kurzfristige
Ankündigung. Unternehmen hätten viel Geld ausgegeben, um pünktlich
zum 1. Oktober gerüstet zu sein und würden nun «bestraft».



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