EU-Außenbeauftragter erwartet Fluchtbewegung aus Afghanistan

14.09.2021 16:41

Straßburg (dpa) - Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell erwartet
beträchtliche Flüchtlingsströme aus Afghanistan als Folge des
dortigen Regierungsumsturzes und der humanitären Notlage. «Die
Menschen werden sich auf den Weg machen, wenn die Taliban es ihnen
erlauben», sagte Borrell am Dienstag vor dem EU-Parlament in
Straßburg. «Wir wissen, dass viele Menschen (...) das Land verlassen
wollen.» Die Lebensmittelpreise in dem Krisenland stiegen, das
Finanzsystem befinde sich im freien Fall.

Nach UN-Zahlen haben 93 Prozent der Haushalte in Afghanistan nicht
genug zu essen, die Grundversorgung steht demnach vor dem
Zusammenbruch. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden in dem
Krisenstaat etwa 3,5 Millionen Menschen vertrieben, davon 550 000
seit Beginn dieses Jahres. Neben den nun beigelegten Konflikten
zwischen Aufständischen und Regierungstruppen trug auch die Dürre mit
schlechten Ernten und wenig Futter für Tiere zur prekären Lage bei.

Nach Angaben von Borrell muss deswegen schon jetzt geklärt werden,
welche Länder gegebenenfalls flüchtende Afghanen aufnehmen könnten.
Dabei wolle niemand, dass Hilfsangebote der EU als eine Art Einladung
verstanden würden. «Wir wollen keinen Pull-Effekt erzeugen», sagte
Borrell. «Aber wir wollen viele afghanische Menschen schützen, die
unseren Schutz verdient haben.»

Die militant-islamistischen Taliban hatten im August die Macht in
Afghanistan übernommen. Zwei Wochen später verließen die letzten
US-Truppen die Hauptstadt Kabul, womit die militärische
Evakuierungsmission von Ortskräften und anderen besonders gefährdeten
Afghanen endete.



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