Südfrankreich wegen neuer Regeln in Sorge um Lavendelfelder

09.10.2021 07:00

Marseille (dpa) - Die Lavendelfelder in der Provence sind nicht nur
ein Touristenmagnet, die Gewinnung ätherischer Öle ist auch ein
Wirtschaftsfaktor. Welche Regeln die EU dafür künftig festlegt, sorgt
in Südfrankreich für Wirbel - wobei noch gar nicht ausgemacht ist, ob
sich an den Auflagen tatsächlich etwas ändert.

«Lasst uns den von der Europäischen Kommission bedrohten Lavendel
retten», heißt es dennoch bereits in einem Aufruf der Region
Provence-Alpes-Côte d'Azur. Inhaltsstoffe ätherischer Öle, die
Irritationen oder Allergien hervorrufen, wolle die EU demnächst als
giftige Stoffe kennzeichnen und auf der Verpackung ausweisen lassen,
lautet die Sorge. Lavendelöl werde damit von einem Naturprodukt zu
einem Giftstoff und lande mit synthetischen Stoffen auf einer
schwarzen Liste der EU, lautet der dramatische Appell. Dabei sei der
Lavendel «die Seele der Provence» und ein regionales Naturerbe.

Über 1000 Kilometer ausgewiesener Lavendel-Routen gebe es für
Touristen. Und außerdem nutzten schon die Ägypter und Römer Lavendel

im Bad, in der Küche oder als Parfüm. In den sozialen Medien wird
inzwischen zur Rettung des Lavendels aufgerufen, einem
Petitionsaufruf haben sich bereits über 190 000 Menschen
angeschlossen.

Der Erzeugerverband von Pflanzen für Medizinprodukte, Aromastoffe und
Parfüm (PPAM) beziffert die wirtschaftliche Dimension: Rund 1700
Landwirte bauten auf 30 000 Hektar Fläche Lavendel an, 9000
Arbeitsplätze hingen direkt und 17 000 indirekt vom Anbau und der
touristischen Vermarktung ab. Die Befürchtung sei, dass viele
Hersteller ätherischer Öle bei zusätzlichen Auflagen wegen steigender

Kosten aufgeben und die Öle nicht mehr in Kosmetik, Parfüms oder
Lebensmitteln Verwendung finden. Bislang ist Frankreich der führende
Hersteller.

Aber sind die Sorgen und die Alarmstimmung überhaupt berechtigt? «Die
EU hat nicht die Absicht, Lavendelöl zu verbieten», stellt der
Sprecher der Vertretung der EU-Kommission in Frankreich, Franck
Arrii, klar. Der Schutz von Bevölkerung und Umwelt vor gefährlichen
Chemikalien sei Ziel einer geplanten Anpassung bestehender Regeln, in
der ätherische Öle bereits als chemische Substanzen erfasst sind.

Es sei noch zu früh, um sagen zu können, ob auf die Hersteller der
Öle neue Auflagen zukommen, den kleinen Erzeugern solle nicht der
Garaus gemacht werden. Bis ein Entwurf der neuen Regeln vorliege,
dauere es wohl bis Ende 2022.



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