Verhandlungen über Fischfangmengen in der Ostsee gestartet

11.10.2021 13:30

Luxemburg (dpa) - Die EU-Länder haben am Montag mit ihren wohl
entscheidenden Verhandlungen über die künftigen Fischfangmengen in
der Ostsee begonnen. Sie stehen im Zeichen sinkender Bestände. Vor
allem bei den für Deutschland wichtigen Beständen von Dorsch und
Hering in der westlichen Ostsee ist die Lange dramatisch. Die
EU-Kommission will untersagen, diese Fische gezielt zu fangen. Nur
als Beifang sollen sie noch in den Netzen landen dürfen. Die
Vorschläge basieren auf wissenschaftlichen Gutachten des
Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES). Die Minister müssen
nun eine Einigung finden.

Der zuständige EU-Kommissar Virginijus Sinkevicius betonte am
Montagmorgen, die Debatte über die Fangmengen habe nicht nur eine
ökologische, sondern auch eine soziale Dimension. Die Ostseefischerei
etwa in Deutschland ist auf Schrumpfkurs: Nach Angaben der
Anrainerländer Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wurden
zuletzt gut 400 Berufsfischer an der Ostsee gezählt. 2010 waren es
rund 650, Anfang der 90er Jahre mehr als 1300 gewesen.

Umweltschützer kritisieren schon lange zu hohe Fangmengen, warnen vor
Überfischung und erheblichen Schäden für das Ökosystem. Nach Angabe
n
des BUND etwa sind sechs von zehn Beständen in der Ostsee «außerhalb

sicherer biologischer Grenzen» - sie sind also nicht mehr groß genug,
um ausreichend Nachwuchs zu zeugen: «Die Zeit, einen vollständigen
Kollaps des Ökosystems in der Ostsee zu verhindern, wird knapp.» Der
WWF hatte mit Blick auf den Dorsch-Bestand in der westlichen Ostsee
kritisiert, Warnungen seien «als hysterisch abgetan und konsequent
ignoriert» worden. Die Politik habe 20 Jahre lang versagt, den
dortigen Dorsch verantwortungsvoll zu managen.

Nicht nur Berufsfischer, auch Angler könnten neue Auflagen bekommen.
Derzeit dürfen Freizeitfischer - außer in der Schonzeit - fünf
Dorsche pro Tag fangen. Dies könnte nun deutlich reduziert werden.
Wann sich die Ministerinnen und Minister der EU-Staaten einigen
werden, steht noch nicht fest. Erwartet werden Verhandlungen bis tief
in die Nacht.



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