Fischerei-Experte: Fangstopp für Dorsch überfällig

12.10.2021 17:03

Kiel (dpa) - Die von der EU beschlossenen Einschnitte in die
Ostsee-Fischerei waren aus Sicht des Fischereibiologen Rainer Froese
überfällig. «Die starke Reduzierung der erlaubten Fänge vom
westlichen Dorsch ist richtig, kommt allerdings zu spät», sagte der
Wissenschaftler vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung am
Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. «Bereits im letzten Jahr war
absehbar, dass es nur noch einen Jahrgang von Dorschen gibt anstatt
der üblichen zehn bis zwölf - und dass sich dieser bisher nicht
erfolgreich fortgepflanzt hat.» Der letzte Jahrgang sei von 2016.
Diese Tiere seien 70 bis 80 Zentimeter lang und gut genährt, aber es
gebe viel zu wenige.

Nach den jüngsten Beschlüssen dürfen Fischer in der westlichen Ostsee

keinen Dorsch und zumeist keinen Hering mehr gezielt fangen. Wäre die
Einstellung gezielter Fänge bereits im vergangenen Jahr beschlossen
worden, wie vom Geomar und von Kieler Fischern gefordert, gäbe es
jetzt eine Millionen mehr Laichdorsche, und die Chancen für eine
Erholung des Bestandes wären deutlich besser, erläuterte Froese. «So

wie es jetzt steht, können wir nur hoffen, dass der Dorschbestand
nicht bereits verloren ist.»

Die wenigen verbliebenen Dorsche müssten dringend geschützt werden.
Ursache für den schlechten Zustand sei die jahrzehntelange
Überfischung durch viel zu hohe erlaubte und indirekt vorgeschriebene
Fangquoten, sagte Froese. «Es wurde etwa dreimal mehr herausgenommen
als nachgewachsen ist.» Entsprechend sei der Bestand geschrumpft und
ebenso die Fänge: von ehemals fast 50 000 Tonnen auf weniger als 500
Tonnen.



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