Gaskrise in EU: Putin wirbt für Inbetriebnahme von Nord Stream 2

13.10.2021 15:16

Moskau (dpa) - Russlands Präsident Wladimir Putin hat vor
internationalem Publikum angesichts der Gaskrise in Europa für eine
rasche Inbetriebnahme der Ostseepipeline Nord Stream 2 geworben. Die
Lieferungen über diesen Weg würden zu einer Entspannung auf dem
aufgeheizten Gasmarkt und zu einer Senkung der Preise führen, sagte
Putin am Mittwoch in Moskau auf der Russischen Energiewoche. Nord
Stream 2 ist zwar fertiggestellt, die Betriebsgenehmigung von den
deutschen Behörden steht aber aus. Putin bedauerte, dass die
«administrativen Barrieren» bisher nicht überwunden seien.

Der Kremlchef wies eine Verantwortung der Energiegroßmacht für die
hohen Preise einmal mehr entscheiden zurück, bot aber Hilfe an. Schon
jetzt liege Russland mit seinen Gaslieferungen um zehn Prozent über
den vertraglich vereinbarten Mengen. «Wir sind bereit, die
Lieferungen weiter zu erhöhen.» Allerdings brauche es dafür konkrete

Anfragen. Zugleich wies er erneut Vorwürfe zurück, Russland benutze
seine Marktmacht, um die Preise in die Höhe zu treiben und Gas als
«politische Waffe» zu benutzen. «Das ist totaler Blödsinn.» Putin

sagte: «Wir liefern so viel, wie angefragt wird.»

Der Kremlchef warf vielmehr noch einmal den Verantwortlichen in der
EU Fehler vor. So sei es versäumt worden, nach dem kalten Winter im
Sommer die Gasspeicher rechtzeitig wieder aufzufüllen. Die aktuelle
Krise auf dem Gasmarkt mit hohen Preisen sei wegen eines Mangels an
Elektroenergie in der EU entstanden, sagte Putin. Er verwies auf den
wetterbedingten Wegfall von Energie aus Windkraftanlagen. Gas wird
massenhaft verstromt, um Elektroenergie zu gewinnen. Deshalb sei der
Bedarf an Gas zusätzlich gewachsen.

Der russische Energieriese Gazprom erhöhte nach Darstellung des
Präsidenten auch den Transit über die Ukraine nach Europa um zehn
Prozent. Über diesen Weg sei keine weitere Erhöhung der Liefermengen
möglich, weil die Gasdurchleitungssysteme in der Ex-Sowjetrepublik
marode und seit Jahrzehnten nicht saniert worden seien. Sie drohten,
durch eine stärkere Nutzung auszufallen, sagte er. Auf dem Podium der
Energiewoche machte der Kremlchef mehrfach deutlich, dass Nord Stream
2 die Lösung sei. Er sagte, der Transportweg von den Gasfeldern in
Russland zum Verbraucher in der EU sei um 2000 Kilometer kürzer als
über die Ukraine - und damit kostengünstiger.



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