EU startet Initiative für Ausbeutungsverbot für die Arktis

13.10.2021 16:44

Brüssel (dpa) - Die EU will Länder wie Russland und Norwegen dazu
bewegen, in der Arktis künftig auf die Förderung von Öl, Gas und
Kohle zu verzichten. Um das Ziel zu erreichen, wird sich die
Europäische Kommission nach einer Mitteilung vom Mittwoch für eine
multilaterale Vereinbarung einsetzen, die eine Ausbeutung noch nicht
erschlossener Vorkommen untersagt. Zudem könnte es Unternehmen über
ein solches Abkommen untersagt werden, dennoch geförderte Rohstoffe
zu kaufen.

Derzeit ausgebeutete Vorkommen sind in der EU stark nachgefragt. Laut
einem Studienbericht wurden so zuletzt 87 Prozent des in der
russischen Arktis erzeugten Flüssigerdgases in die EU exportiert.

Als ein Grund für die Initiative wird die Gefahr neuer
Umweltkatastrophen genannt. Durch die in der Arktis vorherrschenden
Wetterbedingungen gebe es eine «besondere Schwierigkeit, bei
Industrie- oder Seeunfällen Notfall- und Reinigungsmaßnahmen zu
ergreifen», heißt es in der Mitteilung des EU-Außenbeauftragten Josep

Borrell und der EU-Kommission.

Relevant ist dies auch deswegen, weil die Arktis schon jetzt vom
Klimawandel bedroht wird. «Die Region erwärmt sich dreimal so schnell
wie der Rest des Planeten», sagte EU-Umweltkommissar Virginijus
Sinkevicius in Brüssel.

Ob es eine Chance gibt, Länder wie Russland zu einem rechtlich
wirksamen Verzicht auf die Förderung von fossilen Energieträgern in
der Arktis zu bewegen, gilt derzeit als unklar. Dafür spricht, dass
der europäische Markt für das Land sehr wichtig ist und ein mögliches

EU-Importverbot für arktisches Gas Investitionen in die Erschließung
neuer Vorkommen infrage stellen könnte. Zugleich gilt, dass die
Beziehungen zwischen Russland und der EU weiter höchst angespannt
sind und Moskau seit Jahren aus Verärgerung über die
EU-Ukraine-Politik verhindert, dass die EU im Arktischen Rat einen
offiziellen Beobachterstatus erhält.

Der Rat ist derzeit das wichtigste Forum zur Zusammenarbeit in der
Region rund um den Nordpol. Ihm gehören alle acht Arktis-Staaten an.
Neben Russland und Norwegen sind dies auch die EU-Länder Dänemark,
Finnland und Schweden sowie die USA, Kanada und Island. In den USA
hatte zuletzt die Regierung von Präsident Joe Biden Pläne zur
Erkundung und Ausbeutung von Ölvorkommen in Alaska vorerst gestoppt.



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