«Ciao David» - EU-Parlamentspräsident Sassoli gestorben

11.01.2022 05:44

Er galt als progressiver Katholik und Kämpfer für die Rechte von
Migranten. Der Präsident des EU-Parlaments David Sassoli ist im Alter
von 65 Jahren gestorben. Er war bereits länger im Krankenhaus
gewesen.

Aviano (dpa) - Die Nachricht kam mitten in der Nacht: Der Präsident
des Europaparlaments, David Sassoli, ist tot. Er sei am Dienstag um
1.15 Uhr im Centro di Riferimento Oncologico in Aviano, einer Klinik
in der nordostitalienischen Region Friaul-Julisch Venetien,
gestorben, sagte EU-Parlamentssprecher Roberto Cuillo der Deutschen
Presse-Agentur. Der gebürtige Mann aus Florenz wurde 65 Jahre alt. Am
frühen Morgen drückten die ersten Politiker ihr Beileid aus. «Ciao
David, lebenslanger Freund», schrieb Italiens Kulturminister Dario
Franceschini auf Twitter.

Sassoli war bereits länger im Krankenhaus, wie am Montag bekannt
wurde. Ein Sprecher des EU-Parlaments in Brüssel hatte erklärt, der
Italiener sei in einer Klinik in seinem Heimatland untergebracht und
werde dort behandelt. Der Aufenthalt sei «wegen einer schweren
Komplikation aufgrund einer Funktionsstörung des Immunsystems»
erforderlich geworden. Der Parlamentspräsident befand sich nach den
Angaben des EU-Parlaments bereits seit dem 26. Dezember in
Behandlung. Alle seine Termine wurden damals abgesagt.

Im Oktober verpasste Sassoli bereits eine Tagung des Parlaments, weil
er Fieber hatte. Zuvor wurde er wegen einer Lungenentzündung im
Krankenhaus behandelt. Das Krankenhaus Centro di Riferimento
Oncologico in Aviano machte auf Nachfrage am Dienstagmorgen keine
Angaben. Sprecher Cuillo erklärte auf Twitter weiter, Zeit und Ort
der Beerdigung würden in den kommenden Stunden bekanntgegeben.

Über sein privates Twitter-Konto hatte Sassoli noch am
Montagvormittag zum Tod der italienischen Journalistin Silvia Tortora
kondoliert. Am 31. Dezember lobte er die Worte des italienischen
Staatsoberhauptes, Sergio Mattarella, aus dessen Neujahrsansprache.

Sassoli gehörte der sozialdemokratischen Partei Partito Democratico
(PD) an. Er war seit Juli 2019 Präsident des Europäischen Parlaments
gewesen. Der Sozialdemokrat löste seinen Landsmann Antonio Tajani von
der konservativen Forza Italia ab. Zuvor hatte er von 2014 bis 2019
den Posten des Vizepräsidenten in der EU-Institution und hatte damit
noch rund drei Jahre (2014 bis 2017) als Vertreter des damalige
Europaparlamentspräsidenten Martin Schulz (SPD) gearbeitet.

Vor seiner politischen Karriere arbeitete Sassoli als Journalist. Der
Werdegang des studierten Politikwissenschaftlers startete zunächst
bei kleineren Tageszeitungen. 1985 schaffte er es in die Redaktion
der römischen Zeitung «Il Giorno» (Der Tag). Später landete er
schließlich im Fernsehen und moderierte sogar die
Hauptnachrichtensendung TG1 des öffentlich-rechtlichen Senders Rai 1.

Sassoli galt unter anderem als Kritiker der Migrationspolitik vieler
Mitgliedsstaaten. Immer wieder setzte er sich für die Belange von
Menschen auf der Flucht ein. In Italien ist Migration besonders
zwischen linken und rechten Parteien ein Streitthema, da in dem
Mittelmeerland sehr viele Migranten auf ihrer Flucht in Booten
ankommen, um in die EU zu gelangen. Er galt zudem als progressiver
Katholik. Nach Angaben seiner Partei war er schon als Jugendlicher
bei den Pfadfindern und hatte sich in katholischen Jugendgruppen
engagiert.



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