EU-Parlamentspräsident Sassoli gestorben - «Ein großer Europäer»

11.01.2022 08:34

Bald wäre seine Amtszeit zu Ende gewesen, nun ist der Präsident des
Europaparlaments im Alter von 65 Jahren gestorben. David Sassoli war
bereits seit längerem im Krankenhaus. Kolleginnen und Kollegen
würdigen seinen Einsatz für Europa und seine menschliche Wärme.

Aviano/Brüssel (dpa) - Mit Bestürzung und Trauer haben
Spitzenpolitiker auf den Tod des Präsidenten des Europaparlaments,
David Sassoli, reagiert. «Ich bin zutiefst betrübt über den
schrecklichen Verlust eines großen Europäers und stolzen Italieners»,

schrieb EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Dienstag auf
Twitter. EU-Ratschef Charles Michel würdigte Sassoli als
«aufrichtigen und leidenschaftlichen Europäer». Seine menschliche
Wärme, seine Großzügigkeit, seine Herzlichkeit und sein Lächeln
würden bereits vermisst. Italiens Kulturminister und Parteifreund
Sassolis, Dario Franceschini, verabschiedete sich mit den Worten:
«Ciao David, lebenslanger Freund».

Sassoli starb in der Nacht zum Dienstag im Centro di Riferimento
Oncologico in Aviano, einer Klinik in der nordostitalienischen Region
Friaul-Julisch Venetien, wie Parlamentssprecher Roberto Cuillo der
Deutschen Presse-Agentur sagte. Der Mann aus Florenz wurde 65 Jahre
alt. Zur Todesursache wollte eine Sprecherin am Dienstagmorgen keine
Angaben machen.

Sassoli war jedoch bereits seit dem 26. Dezember im Krankenhaus, wie
das Parlament am Montag mitgeteilt hatte. Der Aufenthalt war demnach
«wegen einer schweren Komplikation aufgrund einer Funktionsstörung
des Immunsystems» erforderlich. Alle seine Termine wurden abgesagt.

Sassoli, der kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als Präsident des
EU-Parlaments stand, war zuletzt gesundheitlich angeschlagen. Im
Oktober verpasste Sassoli eine Tagung des Parlaments mit Fieber.
Zuvor wurde er wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt.
Mitte Dezember erklärte Sassoli, nicht zur Wiederwahl als
Parlamentspräsident antreten zu wollen.

Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin soll planmäßig in der kommenden
Woche in Straßburg gewählt werden. Die Malteserin Roberta Metsola aus
der christdemokratischen EVP-Fraktion, die gute Chancen auf den
Posten hat, schrieb am Dienstag auf Twitter, sie habe ein gebrochenes
Herz. «Europa hat einen Anführer verloren, ich habe einen Freund
verloren, die Demokratie hat einen Vorkämpfer verloren.» Von der
Leyen betonte: «David Sassoli war ein einfühlsamer Journalist, ein
hervorragender Präsident des Europäischen Parlaments und in erster
Linie ein guter Freund.»

Sassoli gehörte der sozialdemokratischen Partei Partito Democratico
(PD) an. PD-Chef Enrico Letta bezeichnete Sassoli am Dienstag als
«einzigartigen Freund» und «leidenschaftlichen Europäer».

Sassoli war seit Juli 2019 Präsident des Europäischen Parlaments. Der
Sozialdemokrat löste seinen Landsmann Antonio Tajani von der
konservativen Forza Italia ab. Zuvor hatte er von 2014 bis 2019 den
Posten des Vizepräsidenten und war damit rund drei Jahre (2014 bis
2017) Vertreter des damaligen Präsidenten Martin Schulz (SPD).

Vor seiner politischen Karriere arbeitete Sassoli als Journalist. Der
Werdegang des studierten Politikwissenschaftlers begann zunächst bei
kleineren Tageszeitungen. 1985 schaffte er es in die Redaktion der
römischen Zeitung «Il Giorno» (Der Tag). Später arbeitete er im
Fernsehen und moderierte die Hauptnachrichtensendung TG1 des
öffentlich-rechtlichen Senders Rai 1.



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