Litauen: Taiwan will im Streit mit China Darlehensfonds auflegen

11.01.2022 14:02

Vilnius (dpa) - Im Handelskonflikt mit China kann Litauen nach
Regierungsangaben aus Vilnius auf weitere Unterstützung aus Taiwan
setzen. Demnach will Taipeh einen Darlehensfonds in Höhe von einer
Milliarde US-Dollar für litauisch-taiwanesische Wirtschaftsprojekte
auflegen. Dies teilte die litauische Wirtschaftsministerin Ausrine
Armonaite am Dienstag nach einem per Videokonferenz abgehaltenen
Treffen mit ihrem taiwanesischen Amtskollegen Kung Ming-hsin mit.

Litauen sei besonders an möglichen Investitionen in der
Halbleiterindustrie interessiert, sagte Armonaite. Taiwan hatte zuvor
in der Vorwoche bereits einen 200 Millionen Dollar schweren
Investmentfonds angekündigt, der in die Industrie des baltischen
EU-Land investieren soll.

Zwischen Litauen und China war es in den vergangenen Monaten zu
Spannungen gekommen. Peking hatte seine diplomatischen Beziehungen zu
dem baltischen Staat herabgestuft, nachdem Taiwan in Vilnius eine
Repräsentanz unter eigenem Namen eröffnet hatte. China sieht das
demokratische Taiwan, das sich 1949 vom Festland abspaltete, als
abtrünnige Provinz und nicht als unabhängigen Staat an und versucht,
es international zu isolieren.

Nach litauischen Angaben lässt China in dem Streit zudem seine
wirtschaftlichen Muskeln spielen. Wirtschaftsverbände beklagten, dass
die Einfuhr von Waren aus Litauen blockiert werde und das baltische
Land nicht mehr im chinesischen Zollsystem gelistet sei.  

In dem Streit war zuletzt auch die deutsche Wirtschaft in Litauen
zwischen die Fronten geraten. Deutschland ist der viertgrößte
Investor in dem größten der drei baltischen Staaten. Dort sind etwa
die Autozulieferer Continental und Hella aktiv. Die Parlamentarische
Wirtschaftstaatssekretärin Franziska Brantner reiste deswegen am
Dienstag zu Gesprächen nach Vilnius - darunter auch mit Armonaite
und Außenminister Gabrielius Landsbergis.



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