Energie treibt Erzeugerpreise auf Rekordniveau

20.01.2022 12:17

Die Verbraucherpreise steigen vor allem wegen teurerer Energie auf
immer neue Höhen. Die Erzeugerpreise, die sich ebenfalls auf Ausgaben
der Bürger auswirken, stiegen jetzt auf einen Nachkriegsrekord.

Wiesbaden (dpa) - Die hohen Energiekosten haben die Erzeugerpreise
für gewerbliche Produkte in Deutschland auf einen Nachkriegsrekord
getrieben. Die Preise lagen im Dezember 24,2 Prozent über dem Wert
aus dem Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag
berichtete. Eine derartige Steigerung hat es in der Bundesrepublik
noch nicht gegeben. Im Jahresdurchschnitt ergab sich zum Vorjahr ein
Anstieg um 10,5 Prozent nach einem Rückgang von 1 Prozent 2020.

Die Erzeugerpreise beschreiben die Entwicklung für in Deutschland
erzeugte und verkaufte Produkte des Bergbaus und der Industrie sowie
der Energie- und Wasserwirtschaft. Sie wirken sich verzögert auch auf
die Verbraucherpreise aus.

Die Energiepreise waren im Dezember durchschnittlich 69 Prozent höher
als ein Jahr zuvor. Ohne die Berücksichtigung der Energie stiegen die
Erzeugerpreise um 10,4 Prozent. Neben Gas und Öl wurden auch
verschiedene Vorleistungsgüter wie Metalle (36,1 Prozent),
Düngemittel (63,5 Prozent) oder Holzverpackungen (66,9 Prozent)
teurer. Weniger deutlich waren die Steigerungen bei Verbrauchsgütern
(4,7 Prozent) und Investitionsgütern (3,8 Prozent).

Die gestiegenen Energiepreise und Lieferengpässe sorgten dafür, dass
die Inflationsrate in Deutschland im Dezember mit 5,3 Prozent den
höchsten Stand seit fast drei Jahrzehnten erreichte. Ein ähnliches
Bild gibt es in anderen europäischen Staaten: So stiegen die
Verbraucherpreise in der Eurozone um 5 Prozent und damit so stark wie
seit der Einführung der Gemeinschaftswährung nicht, wie das
Statistikamt Eurostat mitteilte. Es bestätigte damit eine erste
Schätzung.

Die steigenden Preise haben die Europäische Zentralbank (EZB) in eine
schwierige Lage gebracht. Eigentlich streben die Währungshüter eine
Teuerungsrate von 2 Prozent an. Sie sind aber bereit, vorübergehend
eine höhere oder niedrigere Rate hinzunehmen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnte davor, zu schnell die
Geldpolitik zu straffen. Wenn die Notenbank heute die Zinsen erhöhe,
werde sich der Effekt in den Finanzierungsketten erst in sechs bis
neun Monaten zeigen. «Aber man bremst das Wirtschaftswachstum», sagte
Lagarde dem französischen Hörfunksender France Inter. Sie bekräftigte

ihre Einschätzung, wonach die Inflationsrate in diesem Jahr sinken
wird. Kritiker werfen der EZB vor, mit ihrer ultralockeren
Geldpolitik die Teuerung anzuheizen, die sie eigentlich im Zaum
halten will.



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