Euro stabil über 1,13 US-Dollar - Türkische Lira legt etwas zu

20.01.2022 17:10

Frankfurt/Main (dpa) - Der Euro hat sich am Donnerstag gegenüber dem
US-Dollar nur wenig bewegt. Die Gemeinschaftswährung notierte zuletzt
bei 1,1344 Dollar und kostete damit in etwa so viel wie am Vorabend.
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1338
(Mittwoch: 1,1345) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7474
(0,8815) Euro.

Bereits am Dienstag war der Euro wieder in die enge Spanne seit
Anfang Dezember zwischen 1,12 und 1,14 Dollar zurückgefallen.
Hintergrund sind zunehmende Spekulationen auf Zinsanhebungen durch
die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) als Folge der hohen
Inflation. Ein erster Zinsschritt könnte bereits im März erfolgen.

Im Fokus standen an diesem Donnerstag Preisdaten aus der Eurozone. Im
Euroraum erreichte die Inflation Ende 2021 wie erwartet einen
Rekordwert von 5,0 Prozent. Getrieben wurde die Inflation einmal mehr
durch einen extrem starken Anstieg der Preise für Energie. Das
mittelfristige Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von zwei
Prozent wird schon seit längerem deutlich überschritten. Eine
Zinserhöhung ist hier aber nicht in Sicht. Denn die EZB sieht die
Inflation vor allem durch Sonderfaktoren infolge der Corona-Pandemie
getrieben.

Derweil legte die türkische Lira gegenüber dem Dollar und dem Euro
zwischenzeitlich recht deutlich zu, bevor die Gewinne wieder etwas
zusammenschmolzen. Die türkische Notenbank hatte auf ihrer Sitzung
den Leitzins wie erwartet stabil gehalten. Die Währungshüter hatten
den Leitzins zuvor mehrmals gesenkt und waren damit der Linie des
türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gefolgt, der ein
Gegner hoher Zinsen ist. Experten waren davon ausgegangen, dass die
Notenbank den Zinssatz diesmal beibehält, aber an ihrer angesichts
der hohen Inflationsraten vergleichsweise lockeren Geldpolitik
festhält.

«Wer das Stillhalten der türkischen Notenbank als Läuterung sieht,
liegt vermutlich falsch», schrieb Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der
VP Bank. «Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen. Der
Vertrauensentzug durch die Finanzmärkte ist eine vollzogene Sache.»
Zu einer Heilung der zerrütteten Beziehung zwischen Notenbank und
Finanzmärkten könnten Zinserhöhung beitragen. Letztere seien aber
wohl vorerst nicht zu erwarten. Die Notenbank stehe unter starkem
Einfluss von Staatspräsident Erdogan.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für
einen Euro auf 0,83265 (0,83168) britische Pfund, 129,53 (129,86)
japanische Yen und 1,0382 (1,0383) Schweizer Franken fest. Die
Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1844 Dollar
gehandelt. Das waren 3 Dollar mehr als am Vortag.



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