Atomkraft nachhaltig, Solarhandel nicht - Baywa kritisiert EU-Pläne

23.01.2022 04:30

Der Bau eines Atomkraftwerks könnte künftig in der EU als nachhaltig
eingestuft werden, der Verkauf eines Solarmoduls aber nicht. Das
kritisieren nicht nur Politiker.

München (dpa/lby) - Die EU-Pläne zur Einstufung der Atomkraft als
nachhaltig stoßen in der deutschen Ökostrombranche auf scharfe
Kritik. Teile der erneuerbaren Energien würden durch die Pläne
schlechter gestellt als Bau und Betrieb von Atom- und Gaskraftwerken,
sagte der Vorstandschef der Baywa, Klaus Josef Lutz, in München.

Der Mischkonzern betreibt als ein Hauptgeschäftsfeld Bau und Handel
von und mit Solar- und Windanlagen. Die sogenannte Taxonomie der
EU sieht vor, Investitionen in nachhaltige Energien zu fördern. Dazu
zählen nach dem Brüsseler Konzept Atomkraftwerke und zumindest
vorübergehend auch Gaskraftwerke.

«Während Atom- und Erdgaskraftwerken, die offensichtlich nicht
nachhaltig sind, ein grünes Mäntelchen umgehängt werden soll, ist der

Handel mit Solarmodulen und Ökostrom nicht in den Taxonomie-Kriterien
berücksichtigt», sagte Lutz. «Wer soll denn all die nachhaltigen
Produkte in den Markt bringen, wenn nicht der Handel?»

Bei allen anderen Vorgaben aus Berlin oder Brüssel werde der Handel
mit Auflagen in die Pflicht genommen. «Da kann man doch jetzt nicht
bei der EU-Taxonomie sagen, der Handel liefere keinen substanziellen
Beitrag zur Nachhaltigkeit.»

Als konkreter Nachteil für nicht als nachhaltig eingestufte
wirtschaftliche Aktivitäten könnte den betroffenen Unternehmen nach
Lutz' Einschätzung ein Ausschluss von sogenannten grünen
Finanzierungsinstrumenten am Kapitalmarkt drohen.

Die EU-Mitgliedsstaaten hatten bis Freitag Gelegenheit, zu dem
Taxonomieplan Stellung zu nehmen. Die Bundesregierung hält die
Förderung von Investitionen in Atomkraft ebenfalls für nicht
nachhaltig, doch befürworten Frankreich und mehrere andere EU-Staaten
das Vorhaben.



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