Frau eines Ex-Richters in Russland festgenommen - EU reagiert besorgt

23.01.2022 11:52

Brüssel/Moskau (dpa) - Die EU ist besorgt, Menschenrechtler sind
entsetzt: In Russland ist die Frau eines ehemaligen Richters der
Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus festgenommen worden. Ein
Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell nannte das Vorgehen
in der Nacht zum Sonntag eine «gewaltsame Inhaftierung und
Zwangsüberstellung» und forderte die Freilassung der Frau. Was ihr
genau vorgeworfen wird, war zunächst nicht bekannt.

Republikchef Ramsan Kadyrow schrieb im Nachrichtenkanal Telegram,
dass die Frau von der Stadt Nischni Nowgorod 400 Kilometer östlich
von Moskau in die tschetschenische Hauptstadt Grosny gebracht worden
sei. Er beschuldigte die Familie, angeblich zu Terrorismus und
Extremismus aufgerufen zu haben. Der frühere Richter wurde nicht
mitgenommen, er genießt auch im Ruhestand Immunität.

Einer der Söhne ist mehreren Medienberichten zufolge ein
Oppositionsblogger, der andere Anwalt des Komitees gegen Folter. Dem
vom Kreml unterstützten Kadyrow wird von Kritikern immer wieder die
brutale Ausschaltung politischer Gegner vorgeworfen.

Der pensionierte Richter und seine Tochter hätten Russland inzwischen
aus Angst vor einer Festnahme verlassen, teilte die Organisation zur
Unterstützung von Folteropfern bei Telegram mit. Die russischen
Behörden müssten der Festgenommenen nun «dringend die notwendige
medizinische Versorgung und den Zugang zu einem Arzt gewähren». Die
EU rief Russland auf, den Fall zu untersuchen sowie die Verfolgung
von Menschenrechtlern und ihren Familien zu stoppen.



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