Expertengruppe kritisiert EU-Pläne für «grüne» Atomkraft und Gas

24.01.2022 12:30

Bald könnten Investitionen in Gas und Atomkraft als klimafreundlich
gelten - das plant die EU-Kommission. Jetzt meldet sich ein
Expertengremium aus Wissenschaftlern und Unternehmen zu Wort.

Brüssel (dpa) - Eine Gruppe ausgewählter Klimaexperten und
Unternehmen hat die EU-Pläne scharf kritisiert, Gas und Atomkraft als
klimafreundlich einzustufen. Das geht aus einer Stellungnahme der
sogenannten Plattform für nachhaltige Finanzen zu einem
entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission hervor, die am Montag
veröffentlicht wurde. «Die Kommission muss der Wissenschaft zuhören
und ihren Vorschlag fallenlassen», sagte Sebastien Godinot vom WWF.
«Fossiles Gas generiert viele Emissionen und Atomkraft produziert
hoch radioaktiven Müll, mit dem wir immer noch nicht umgehen können.»


Zu der Plattform gehören Umweltorganisationen, Wissenschaftler sowie
Unternehmen wie Airbus. Sie beraten die Kommission bei der Erstellung
der sogenannten Taxonomie - eine Art Katalog für klimafreundliche
Investitionen, der die Klimawende ankurbeln soll.

Konkret kritisieren die Experten die Auflagen, unter denen
Investitionen in Gaskraftwerke als klimafreundlich gelten sollen. Die
Kommission schlägt vor, neue Gaskraftwerke bis 2030 als «grün» zu
kennzeichnen, wenn sie Emissionen von insgesamt bis zu 550 Gramm
Kohlenstoffdioxid (CO2) pro Kilowattstunde haben. Die Experten
fordern, den Grenzwert auf 100 Gramm CO2 pro Kilowattstunde zu senken
- der neutrale Grenzwert, der für alle anderen Technologien gilt.

Atomkraft sollte wegen möglicher «signifikanter Schäden» für die

Umwelt nicht in die Taxonomie aufgenommen werden, so die
Stellungnahme. Die Kommission hatte vorgeschlagen, neue
Atomkraftwerke als nachhaltig zu klassifizieren, wenn bis 2050 ein
konkreter Plan für die Endlagerung radioaktiven Abfalls vorliegt. Die
Experten kritisieren jedoch, es sei unklar, wie die vorgeschlagenen
Kriterien für Atomkraft und Gas überprüft werden sollen.

Die existierende grüne Taxonomie sei ursprünglich nicht für
Übergangstechnologien gedacht gewesen, so der Bericht. Die Plattform
arbeite dafür gerade an einer «bernsteinfarbenen» Kategorie für die

Taxonomie. «Gas als grün zu kennzeichnen, würde die ganze
Taxonomie-Initiative untergraben», sagte Mathilde Crêpy von der
Organisation ECOS, die Teil der Plattform ist, der dpa. «Das wird es
sehr schwer für Investoren machen, wirklich sicherzustellen, dass
ihre Investitionen «grün» und tatsächlich nachhaltig sind.»

Basierend auf ihrem Entwurf und Feedback der Experten und EU-Länder
will die Kommission «so schnell wie möglich» den offiziellen Text zu

Atomkraft und Gas vorlegen.



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