Selenskyj warnt Slowakei und EU vor Zusammenarbeit mit Russland

10.05.2022 14:04

Bratislava (dpa) - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat
die Slowakei und andere EU-Länder vor einer weiteren Zusammenarbeit
mit Russland gewarnt. Dadurch drohe ihnen ein ähnliches Schicksal,
wie es die Ukraine derzeit erleide, sagte er am Dienstag in einer
Videobotschaft an das Plenum des slowakischen Parlaments in
Bratislava. Er habe Verständnis dafür, dass die Slowakei schwer auf
russische Gasimporte verzichten könne. Ähnlich hätten aber früher
auch ukrainische Politiker argumentiert und für billiges Gas in
großer Menge die Stationierung der Schwarzmeerflotte erlaubt.

Erwartungsgemäß forderte Selenskyj die Slowakei zur Lieferung
weiterer Rüstungsgüter wie Kampfflugzeuge und Hubschrauber sowie zu
härteren Sanktionen gegen Russland auf. «Wenn wir die russische Armee
nicht aufhalten, rückt sie weiter vor, auch auf das Gebiet der
Slowakei», sagte er. Seine Ansprache beendete er mit dem Kampfruf
«Slawa Ukrajini» (Ruhm der Ukraine). Die slowakischen
Parlamentsabgeordneten, die keine Möglichkeit zu Fragen hatten,
erhoben sich daraufhin zu langanhaltendem Applaus.

Mehrere Oppositionsreihen blieben allerdings leer, weil linke und
rechtsextreme Abgeordnete die Sitzung boykottierten.
Ex-Regierungschef Robert Fico als Chef der größten Oppositionspartei
Richtung-Sozialdemokratie hatte gewarnt, Selenskyj wolle die Slowakei
in einen Krieg hineinziehen, in dem sie nur verlieren könne.

Der liberale Außenminister Ivan Korcok warf den Oppositionspolitikern
deshalb «Feigheit» vor. Die Slowakei könne nicht so tun, als ob
dieser Krieg sie nichts angehe. Mit Auftritten wie vor dem
slowakischen Parlament stärke Selenskyj die Überzeugung, dass dieser
Krieg «ein siegreiches Ende für die Ukraine und Europa haben» werde,

sagte Korcok nach der Selenskyj-Rede.



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