Krieg auch im Internet: Die G7 wollen der Ukraine mit Hardware helfen

10.05.2022 18:56

Mit Waffen unterstützen Industriestaaten die Ukraine bereits. Nun
macht sich die «Gruppe der 7» bereit, um Kiew mit Technik unter die
Arme zu greifen. Denn die brutale Auseinandersetzung mit Russland
wird längst auch virtuell ausgefochten.

Düsseldorf (dpa) - Damit die Ukraine im Krieg gegen Russland besser
gegen Cyberangriffe geschützt ist, wollen die G7-Staaten Hardware als
Hilfe schicken. «Dies ist auch ein Krieg im Internet und deswegen
muss die Ukraine auch im Internet verteidigt werden», sagte
Bundesdigitalminister Volker Wissing (FDP) am Rande eines Treffens
von G7-Ministern am Dienstag in Düsseldorf. Was genau für Technik
geschickt wird, ist noch unklar. Der ukrainische Amtskollege Mykhailo
Fedorow, der bei dem Treffen online zugeschaltet war, habe
angekündigt, eine Liste zu schicken mit dem genauen Bedarf.

Zur «Gruppe der 7» gehören neben der Bundesrepublik die anderen
großen demokratischen Industriestaaten USA, Kanada, Großbritannien,

Frankreich, Italien und Japan. Deutschland hat derzeit den Vorsitz
der Gruppe, daher ist Bundesminister Wissing der Gastgeber der
Veranstaltung im Rheinland.

Der Liberale stellte eine G7-Erklärung zur «Cyberresilienz digitaler
Infrastrukturen angesichts des russischen Kriegs gegen die Ukraine»
vor, wie das Papier hieß. Darin verurteilen die sieben Staaten
Moskaus Angriffskrieg «auf das Schärfste». «Wir erklären uns
solidarisch mit dem ukrainischen Volk und sprechen den Opfern der
durch die russischen Streitkräfte verübten Gräueltaten unsere tief
empfundene Anteilnahme aus», heißt es in dem G7-Dokument.

Die Autoren betonen, dass in freien Gesellschaften die digitale
Infrastruktur «gegen böswillige Eingriffe und Einflussnahmen
autoritärer Regime geschützt werden muss». Man gratuliere der
Ukraine, «dass es ihr gelungen ist, die Kommunikationsnetze unter
höchst schwierigen Umständen aufrechtzuerhalten».

Der Erklärung zufolge verpflichten sich die G7-Staaten dazu, die
Cyberresilienz ihrer digitalen Infrastruktur zu erhöhen und sich
untereinander bei der Cyberabwehr stärker zu koordinieren.

Ein weiteres Ergebnis des Treffens: Deutschland und Kanada wollen
eine gemeinsame Arbeitsgruppe einrichten, die künftig Hackerattacken
analysieren und auswerten soll. Aus diesen Erkenntnissen will man
lernen, um beim Thema Internetsicherheit voranzukommen. Auch andere
G7-Staaten hätten Zustimmung signalisiert und würden möglicherweise
ebenfalls mitmachen, sagte Wissing.

Der deutsche Minister sprach auch davon, wie wichtig eine andere
Fehlerkultur sei. «Es darf nicht so sein, dass wenn ein Cyberangriff
erfolgt, dass er quasi verschwiegen wird, weil es einem irgendwie
unangenehm ist», sagte Wissing. «Wir müssen bereit sein, die
Schwächen offen auszusprechen, die wir erkennen, damit wir Lücken
schließen können.» Die Erkenntnis, dass man nur aus Fehlern lernen
könne, müsse auch für die Cybersicherheit gelten, sagte er.

Der Industrieverband BDI forderte unterdessen eine engere
Zusammenarbeit unter den G7 bei Digitalpolitik und Cybersicherheit.
«Der Krieg in der Ukraine ist der Weckruf für eine stärkere digitale

Souveränität der G7», betonte BDI-Präsident Siegfried Russwurm in
einer Mitteilung. Für die G7-Staaten sei es jetzt wichtig, die
strategische Abhängigkeit von autoritären Staaten zu verringern.

Das G7-Digitalministertreffen, an dem auch die
EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager teilnahm, wird am
Mittwoch fortgesetzt. Dann dürften weitere Schritte besprochen
werden, um die Zusammenarbeit der sieben Industriestaaten bei
Internetthemen zu intensivieren. Es geht zum Beispiel um die Frage,
wie die Energieeffizienz von Rechenzentren verbessert werden kann -
solche Anlagen haben einen enormen Stromverbrauch. Zudem wollen die
Ministerinnen und Minister erörtern, wie der freie Fluss von Daten
gewährleistet werden kann.



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