Özdemir will Bauern über EU-Regeln mehr Weizenanbau ermöglichen

11.05.2022 16:44

Russlands Krieg gegen die Ukraine schlägt auf die internationalen
Agrarmärkte durch: Mengen drohen knapper zu werden, Preise steigen.
Wie könnten auch deutsche Landwirte zusätzliches Getreide anbauen?

Berlin (dpa) - Angesichts angespannter Getreidemärkte wegen des
Ukraine-Krieges will Bundesagrarminister Cem Özdemir den Bauern
ermöglichen, mehr Weizen zu produzieren. Dazu setze er sich in
Brüssel dafür ein, Neuregelungen für den Wechsel von Ackerpflanzen zu

verschieben, sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch im Bundestag.
«Damit kann bei dieser Herbstaussaat Weizen auf Weizen angebaut
werden.» Der Bauernverband begrüßte die Pläne, denen aber weitere
folgen müssten. Auch die Opposition forderte zusätzliche Schritte.

Konkret geht es um 2023 greifende EU-Vorgaben, wonach der Anbau
derselben Ackerpflanze zwei Jahre in Folge auf derselben Fläche zum
Bodenschutz grundsätzlich nicht mehr möglich ist. In der Regel müsste

dann nach Weizen etwa Mais oder Raps angebaut werden. Der Vorstoß
zielt nun darauf ab, die EU-Kommission feststellen zu lassen, dass
diese Regelung erst 2024 erfüllt sein muss - und nicht schon 2023 im
Vergleich zu diesem Jahr. Dies würde die Anbauplanungen der Landwirte
erheblich erleichtern.

Özdemir sagte zu diesem Vorschlag: «Dafür zahlen Umwelt und Böden
einen Preis.» Der Kompromiss stehe aber in vertretbarem Verhältnis
zur Notwendigkeit. «Der Vorteil ist, wir erhalten die wenigen Flächen
für den Artenschutz. Denn sind diese Vielfaltsflächen erstmal
verschwunden, gibt es auch nichts mehr zu schützen.» Die große
Aufgabe dieser Zeit sei: «Versorgungssicherheit und Klimaschutz und
Artenschutz. Daran müssen wir uns messen lassen.»

Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte: «Wir wollen weiter im
bisherigen Umfang Brotweizen anbauen können.» Deshalb begrüße der
Verband die Initiative des Ministeriums. «Aber das kann nur ein
erster Schritt sein. Wir erwarten jetzt Vorschläge aus Brüssel und
Berlin, wie die Ernährungskrise gelöst werden kann.» Winterweizen,
der im Herbst gesät wird, ist die wichtigste deutsche Getreideart.

Als Entlastung der Bauern hat Özdemir unter anderem schon ermöglicht,
dass in diesem Jahr ausnahmsweise Gras und Pflanzen von bestimmten
«ökologischen Vorrangflächen» als Futter genutzt werden dürfen. D
as
soll Preisanstiege abmildern. Er wendet sich aber gegen weitergehende
Forderungen auch aus den Ländern, auf Brachflächen wieder alles
machen zu können und dort etwa Getreide anzubauen.

In einer Aktuellen Stunde im Bundestag kritisierte die Opposition
diesen Kurs und forderte mehr Anbauflächen zum Getreideanbau, die
nach der Linie der EU-Kommission auch möglich wären. Ein «Weiter-so
»
als ob nichts wäre, sei zynisch, unethisch und ausgeschlossen, hielt
Unions-Fraktionsvize Steffen Bilger (CDU) dem Minister vor. Mit
seinen guten Anbaubedingungen habe Deutschland eine Verantwortung für
die ganze Welt. Der Vorsitzende der Länder-Agrarminister, Sven
Schulze (CDU) aus Sachsen-Anhalt, sprach mit Blick auf den EU-Vorstoß
Özdemirs von einem «ersten kleinen Baustein». Das sei «aber noch
lange nicht alles, was wir brauchen», sagte er im Bundestag.



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