EU-Entwurf: 195 Milliarden für Energie-Unabhängigkeit

12.05.2022 03:30

In Brüssel wird eine Strategie für die Unabhängigkeit von russischer

Energie mit Spannung erwartet. Laut einem Entwurf setzt die
EU-Kommission vor allem auf ehrgeizigere Ziele für erneuerbare
Energie.

Brüssel (dpa) - Die Europäische Union muss nach Analysen der
EU-Kommission in den nächsten fünf Jahren zusätzlich 195 Milliarden
Euro investieren, um von russischer Energie loszukommen. Mitte
nächster Woche wird die Brüsseler Behörde voraussichtlich ihren Plan

vorstellen, um die EU langfristig ohne fossile Brennstoffe aus
Russland mit Energie zu versorgen. Dafür will die Kommission
ehrgeizigere Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien und beim
Energiesparen setzen. Das geht aus einem Entwurf hervor, der der
Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Text kann sich noch ändern.

Ziel der Strategie ist es demnach, die Abhängigkeit von fossilen
Brennstoffen aus Russland rasch zu verringern, indem die Energiewende
vorangetrieben wird. Bis 2030 sollen daher 45 Prozent der Energie in
der EU aus erneuerbaren Quellen kommen, statt wie bisher geplant 40
Prozent. Das würde die Kapazität für saubere Energie auf 1236
Gigawatt steigern, im Vergleich zu 511 Gigawatt heute - mehr, als im
EU-Klimapaket ursprünglich vorgesehen war.

Die Anzahl der Solarstromanlagen soll sich dem Entwurf zufolge bis
2028 mehr als verdoppeln, auf 300 Gigawatt. Die Kommission setzt auch
auf klimafreundlichen Wasserstoff, der etwa aus Ökostrom produziert
wird. Bis 2030 sollen zehn Millionen Tonnen davon in der EU
produziert und weitere zehn Millionen Tonnen importiert werden.

Gleichzeitig wird vorgeschlagen, den Energieverbrauch bis Ende des
Jahrzehnts um mindestens 13 Prozent zu senken, statt wie bisher
vorgesehen um 9 Prozent. Die Umsetzung der Ziele liege im großen Teil
bei den Ländern, die etwa Gelder aus dem Corona-Aufbaufonds für
Reformen nutzen könnten.

Insgesamt könnte die EU durch die Strategie pro Jahr etwa 80
Milliarden Euro an russischen Gas-Importen sparen, 12 Milliarden an
Öl-Importen und 1,7 Milliarden an Kohle-Importen, so der Entwurf.

«Die Lehre aus der jetzigen Situation muss sein, dass wir uns niemals
mehr so abhängig von einem einzigen Lieferanten machen dürfen»,
kommentierte der EU-Abgeordnete Markus Ferber (CSU) den Entwurf im
Vorfeld. «Die Kommission darf aber nicht nur langfristige Strategien
für die Diversifizierung entwickeln, sondern muss auch ganz konkret
sagen, wie wir durch den nächsten Winter kommen.»

Der Entwurf ist Teil eines größeren Pakets, zu dem unter anderem auch
eine detaillierte Solar-Strategie sowie neue Regeln für die
Genehmigung von Ökostrom-Anlagen gehören wird. Auch weitere Pläne f
ür
den Umgang mit den hohen Energiepreisen werden erwartet.



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