UN schockiert von Gewalt bei Beerdigung von Journalistin in Jerusalem

13.05.2022 21:55

Die Sicherheitslage in Nahost bleibt angespannt: Die Beerdigung einer
getöteten Reporterin in Jerusalem wird von gewaltsamen Zusammenstößen

überschattet. Bilder von prügelnden Sicherheitskräften erschüttern

nicht nur die Vereinten Nationen.

Ramallah/Tel Aviv/New York (dpa) - Die UN haben sich angesichts
mutmaßlicher Gewalt israelischer Sicherheitskräfte auf Teilnehmer der
Beerdigung einer getöteten Reporterin bestürzt gezeigt. «Wir haben
gerade das Video davon gesehen und es ist einfach sehr schockierend
für uns», sagte Sprecher Farhan Haq am Freitag in New York. Im
Internet kursierende und von TV-Sendern ausgestrahlte Bilder schienen
israelische Sicherheitskräfte zu zeigen, die unter anderem auf
Menschen einprügeln, die einen Sarg tragen. Die Polizei sprach
dagegen von Hunderten gewalttätigen Demonstranten, die unter anderem
mit Steinwürfen für Unruhen gesorgt hätten.

Auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell äußerte sich schockiert.
Die Europäische Union sei entsetzt über die Szenen, die sich am
Freitag während des Trauerzuges abgespielt hätten, teilte er mit.
«Die EU verurteilt die unverhältnismäßige Gewaltanwendung und das
respektlose Verhalten der israelischen Polizei gegenüber den
Teilnehmern des Trauerzuges.» Einen friedlichen Abschied zu
ermöglichen und die Trauernden in Ruhe trauern zu lassen, ohne sie zu
schikanieren und zu demütigen, sei das Minimum an menschlichem
Respekt.

Die am Mittwoch im Westjordanland erschossene Schirin Abu Akle vom
TV-Sender Al-Dschasira war am Freitag auf einem christlich-orthodoxen
Friedhof neben der Altstadt Jerusalems beigesetzt worden.
Al-Dschasira beschuldigt israelische Sicherheitskräfte, die
51-Jährige vorsätzlich getötet zu haben. Tausende Menschen kamen zu
der Beerdigung. Während der Prozession kam es zu den Konfrontationen.

Die UN teilten weiter mit, dass sie mehr Informationen zu dem Vorfall
sammelten: «Natürlich wollen wir wie in allen Fällen sicherstellen,
dass die Grundrechte auf Versammlungsfreiheit und natürlich das Recht
auf friedliche Demonstrationsfreiheit geschützt und gewahrt werden»,
sagte Haq. Auch die US-amerikanische UN-Botschafterin Linda
Thomas-Greenfield zeigte sich «zutiefst erschüttert von den Bildern»,

wie sie auf Twitter schrieb. «Die Tragödie ihres Mordes sollte mit
größtem Respekt, Nüchternheit und Sorgfalt behandelt werden.» Wie
auch die UN hatten die USA eine Untersuchung zu der Tötung gefordert.

Nach Darstellung der israelischen Armee hatte es am Mittwoch ein
heftiges Feuergefecht mit Dutzenden militanten Palästinensern während
einer Razzia gegeben. Am Freitag veröffentlichten die Streitkräfte
Zwischenergebnisse ihrer Untersuchung, wonach es derzeit nicht
möglich sei, «eindeutig» zu sagen, von wo der tödliche Schuss kam.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas macht dagegen Israel
verantwortlich und sprach von einem «Verbrechen der Hinrichtung».
Eine von Israel vorgeschlagene gemeinsame Untersuchung hatten die
Palästinenser abgelehnt.

Palästinensischen Angaben zufolge hatten israelische
Sicherheitskräfte am Freitag während der Beerdigungsprozession
Blendgranaten eingesetzt. Berittene und unberittene Polizisten hätten
die Trauergäste angegriffen.

Unterdessen wurde ein israelischer Grenzpolizist nach israelischen
Angaben bei Konfrontationen mit bewaffneten Palästinensern im
Westjordanland tödlich verletzt. Bei einem Anti-Terror-Einsatz nahe
Dschenin hätten bewaffnete Angreifer die Sicherheitskräfte beschossen
sowie Sprengsätze geworfen, teilten Polizei und Armee mit. Die
Soldaten hätten zurückgeschossen. Der 47-jährige Offizier sei beim
Verlassen des Ortes Burkin verletzt und noch ins Krankenhaus gebracht
worden.



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