EZB-Präsidentin stellt erneut Zinserhöhung in Aussicht

20.06.2022 16:48

Frankfurt/Main (dpa) - Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank
(EZB) Christine Lagarde hat erneut baldige Zinserhöhungen in Aussicht
gestellt. «Wir beabsichtigen, die Leitzinsen der EZB auf unserer
geldpolitischen Sitzung im Juli um 25 Basispunkte anzuheben», sagte
Lagarde am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des
Europäischen Parlaments. Im September dürfte dann eine weitere
Zinserhöhung kommen. Die Geldpolitik dürfte danach schrittweise
normalisiert werden.

Die Notenbank will so die zuletzt sehr hohe Inflation eindämmen. Im
Mai war die Jahresinflationsrate auf 8,1 Prozent gestiegen. Die
Notenbank strebt auf mittlere Sicht 2 Prozent an.

Lagarde versuchte zudem Sorgen zu zerstreuen, dass das angekündigte
Anti-Kriseninstrument den Kampf gegen die Inflation behindern könnte.
«Die Entscheidung, die Arbeit an einem Anti-Fragmentierungsinstrument
zu beschleunigen, untermauert die Verpflichtung, die Inflation
mittelfristig bei 2 Prozent zu stabilisieren», sagte sie. Bei einer
zu starken Fragmentierung könne die Geldpolitik der EZB nicht mehr
ihre Wirkung entfalten. Dieser Kampf gehöre also zum EZB Mandat. Die
Renditen von südeuropäischen Anleihen waren im Vergleich zu
Bundesanleihen in den vergangenen Wochen stärker gestiegen.

Die EZB hatte am Mittwoch bei einer außerordentlichen Sitzung
beschlossen, die Arbeiten an einem neuen Anti-Kriseninstrument zu
beschleunigen.

Lagarde erwartet keine Rezension: «Die Bedingungen für weiteres
Wachstum sind vorhanden.» Eine Rezession gehöre nicht zum
Basisszenario der EZB. Das Lohnwachstum habe zwar angezogen, es sei
aber weiter moderat. Es werde allerdings im weiteren Jahresverlauf
anziehen und auch danach überdurchschnittlich bleiben. Man wolle mit
der Zinserhöhung auch einer Lohn-Preisspirale entgegenwirken.



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