Westbalkan-Staaten sehen von EU-Gipfel-Boykott ab

22.06.2022 12:54

Tirana/Skopje/Belgrad (dpa) - Die Führer der drei Westbalkanstaaten
Serbien, Albanien und Nordmazedonien verzichten auf einen zunächst
angedrohten Boykott des EU-Gipfels in dieser Woche. «Wir werden am
EU-Rat teilnehmen», schrieb der albanische Ministerpräsident Edi Rama
am Mittwoch auf Twitter. Grund für frühere Erwägungen, dem Gipfel
fernzubleiben, war die anhaltende Blockade Bulgariens gegen den
Beginn von EU-Beitrittsgesprächen mit Nordmazedonien und Albanien.

Man wolle in Brüssel angehört werden, schrieb Rama weiter. Die
Vertreter der drei Länder wollten das Podium nutzen, um ihre Gedanken
zur «Förderung des europäischen Geistes und unser Kidnapping durch
Bulgarien, welches ihn zerstört» darzulegen. Auch Serbiens Präsident

Aleksadar Vucic sagte seine Teilnahme zu, wie die Nachrichtenagentur
Tanjug berichtete.

In verschiedenen Äußerungen hatten Rama und Serbiens Präsident
Aleksandar Vucic noch am Dienstag in Erwägung gezogen, dem
sogenannten EU-Westbalkangipfel an diesem Donnerstag in Brüssel
fernzubleiben. Nordmazedoniens Präsident Stevo Pendarovski hatte in
einem Fernseh-Interview dem Regierungschef Dimitar Kovacevski
gleichfalls empfohlen, zu Hause zu bleiben.

Der EU-Westbalkangipfel beginnt an diesem Donnerstag in Brüssel und
soll sich unter anderem mit den EU-Beitrittsperspektiven der
Teilnehmerstaaten beschäftigen. Eingeladen sind neben Serbien,
Albanien und Nordmazedonien auch Bosnien-Herzegowina, das Kosovo und
Montenegro. Alle sechs Länder befinden sich in unterschiedlichen
Phasen des Annäherungsprozesses an die EU.

Unmittelbar im Anschluss an Westbalkangipfel beginnt dann ein
regulärer EU-Gipfel. Bei diesem soll unter anderen über die Vergabe
des EU-Kandidatenstatus an die Ukraine und Moldau entschieden werden.
Er ist die Voraussetzung dafür, dass nach Erfüllung bestimmter
Kriterien dann irgendwann auch Beitrittsverhandlungen beginnen
können.



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