EU-Kommissionsvize kritisiert Orban: Sind alle gleichermaßen Menschen

27.07.2022 16:29

Brüssel (dpa) - Die Empörung über rassistische Äußerungen des
ungarischen Regierungschefs Viktor Orban reißt nicht ab.
EU-Kommissionsvize Margaritis Schinas schrieb am Mittwoch auf
Twitter: «Hass hat weder auf unseren Lippen noch in unseren
Gesellschaften etwas zu suchen.» Er betonte: «Wir dürfen niemals
zulassen, dass unsere Formulierungen den wesentlichsten Grundsatz
unserer Existenz verraten: Wir sind alle gleichermaßen Menschen.»

Mit seinen Äußerungen bezog der Grieche sich auf eine Rede Orbans vom
Wochenende in Rumänien. Dort hatte Orban am Samstag gesagt: «Es gibt
nämlich jene Welt, in der sich die europäischen Völker mit den
Ankömmlingen von außerhalb Europas vermischen. Das ist eine
gemischtrassige Welt.» Dem gegenüber gebe es zum Beispiel das
Karpatenbecken, wo sich europäische Völker wie Ungarn, Rumänen,
Slowaken miteinander vermischten. «Wir sind bereit, uns miteinander
zu vermischen, aber wir wollen nicht zu Gemischtrassigen werden.» Das
unter anderem von den Nationalsozialisten genutzte Konzept, dass es
unterschiedliche menschliche Rassen gibt, ist wissenschaftlich nicht
haltbar und ist Teil rassistischer Weltanschauungen.

Schinas erwähnt Orbans Rede in seinem Tweet zwar nicht, sein Umfeld
bestätigte jedoch, dass er sich darauf bezieht.

In Ungarn selbst blieben breitere Reaktionen auf die Rede bis
Mittwoch unterdessen aus, zumal Orban auch in der Vergangenheit
mehrfach ähnliche Ansichten geäußert hatte. Aus dem Rahmen stach
lediglich, dass die Regierungsbeauftragte Zsuzsa Hegedüs zurücktrat.
In einem Brief an den Regierungschef schrieb sie am Dienstag, sie
könne «selbst im Lichte unserer fast 20-jährigen Freundschaft nicht
darüber hinwegsehen», dass Orban in Baile Tusnad einen «reinen
Nazi-Text, der eines Goebbels würdig gewesen wäre», vorgetragen habe.

Die Soziologin kümmerte sich im Auftrag Orbans seit 2011 um die
Armutsbekämpfung.



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