Landvolk: Ausnahmen für Getreideanbau müssen schnell kommen

28.07.2022 16:54

Hannover (dpa/lni) - Deutschland sollte die von der EU-Kommission
vorgeschlagenen Ausnahmeregelungen für den Getreideanbau schnell und
vollständig umsetzen. Dafür plädierten am Donnerstag Niedersachsens
Agrarministerin Barbara Otte-Kinast und Landvolk-Präsident Holger
Hennies. Beide zeigten sich nach einer Sonder-Agrarministerkonferenz
zu diesem Thema enttäuscht. «Wie sollen wir hungernden Menschen
erklären, dass wir ab 2023 vier Prozent der Ackerfläche nicht
bestellen?», sagte die CDU-Politikerin. «Wir brauchen jede Tonne
Getreide, die produziert werden kann.»

Otte-Kinast zeigte kein Verständnis für die Ankündigung des Bundes,
noch offene Fragestellungen klären zu wollen und in der nächsten
Woche einen Vorschlag auf den Tisch zu legen.

«Bund und Länder werden ihrer Verantwortung nicht gerecht, wenn sie
die Möglichkeiten, die seitens der EU-Kommission zur Steigerung der
Getreideerzeugung in Europa eröffnet wurden, nicht aufgreifen und
umsetzen», warnte Hennies.

In einer Protokollerklärung forderte Niedersachsen gemeinsam mit acht
weiteren Bundesländern den Bund auf, die Vorschläge der EU-Kommission
eins zu eins umzusetzen. In Niedersachsen mit seinen 1,9 Millionen
Hektar Ackerfläche könnten bei einem Verzicht auf die Stilllegung
rund 70 000 Hektar weiter landwirtschaftlich genutzt werden,
erläuterte das Ministerium in Hannover. Das entspreche einem
Getreideertrag von bis zu 420 000 Tonnen.

Vergangene Woche hatte die EU-Kommission den Mitgliedstaaten die
Möglichkeit eingeräumt, für ein Jahr Ausnahmen für sogenannte
Fruchtfolgeregeln und Stilllegungen von Ackerflächen zu gewähren. So
soll die Getreideproduktion in Europa gesteigert werden, um mögliche
Ausfälle infolge des Ukraine-Krieges auszugleichen.



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