Erste Todesfälle in Europa: Spanien meldet zwei Affenpocken-Tote

30.07.2022 15:23

Vor einer Woche wurde der Affenpocken-Ausbruch zur «Notlage von
internationaler Tragweite» erklärt. Nun meldet Spanien die zwei
ersten Toten in Europa im Zusammenhang mit einer Infektion.

Madrid (dpa) - In Spanien sind die zwei ersten Todesfälle im
Zusammenhang mit einer Affenpocken-Infektion gemeldet worden. Nachdem
das Gesundheitsministerium in Madrid am Freitagabend vom Tod eines
mit dem Affenpockenvirus (MPXV) infizierten Patienten berichtet
hatte, wurde am Samstag ein zweiter Todesfall mitgeteilt. Der
staatliche Fernsehsender RTVE und andere Medien berichteten, es
handle sich um die ersten MPX-Todesfälle in Europa. Beide seien der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU-Kommission gemeldet
worden, schrieb das Gesundheitsministerium.

Nach Angaben der zuständigen regionalen Behörden wurden der erste
Fall in der Region Valencia im Osten und der zweite in Andalusien im
Süden des Landes registriert. Beide Patienten waren demnach mit einer
durch die Infektion bedingten Gehirnentzündung in Krankenhäuser
eingewiesen worden. Die WHO meldete zum aktuellen
Affenpocken-Ausbruch bislang fünf Tote - alle in Afrika.

Das Gesundheitsministerium der Region Valencia teilte am Freitagabend
mit, der Tod des Patienten dort sei «durch eine infektionsbedingte
Enzephalitis (Gehirnentzündung) verursacht» worden. Der Fall werde
weiter «analysiert, um die Ursache endgültig zu bestätigen». Die
Regionalzeitung «Levante» schrieb am Samstag, es handele sich um
einen «etwa 40 Jahre alten Mann», der auf der Intensivstation in
einem Krankenhaus der Stadt Alicante lag.

In Andalusien gab das regionale Gesundheitsministerium am Samstag
bekannt, bei dem zweiten Todesopfer handele es sich um einen
31-Jährigen, der mit einer durch die Infektion verursachten
Meningoenzephalitis auf die Intensivstation des
Universitätskrankenhauses in Córdoba eingeliefert worden sei.

Die Todesfälle könnten möglicherweise auf Vorerkrankungen
zurückgehen. Ob Begleiterkrankungen vorlagen, war jedoch in beiden
Fällen unklar. Die Zeitung «El País» schrieb, das medizinische
Institut «Instituto de Salud Carlos III» in Madrid werde Gewebeproben
untersuchen, um die Ursache der Todesfälle besser zu verstehen.

Spanien ist eines der von der Infektionskrankheit am stärksten
betroffenen Länder weltweit. Bei den bisher etwa 4300 erfassten
Fällen habe es etwa 120 Krankenhauseinweisungen gegeben, teilte das
Gesundheitsministerium mit. In Deutschland wurden nach Angaben des
Robert Koch-Instituts (RKI) vom Freitag 2595 Fälle erfasst.

Auch Brasilien meldete am Freitag einen ersten möglichen Todesfall im
Zusammenhang mit Affenpocken. Allerdings habe es sich um einen
Patienten mit weiteren Erkrankungen gehandelt, teilte das
Gesundheitsministerium in Brasília mit.

Angesichts der schnellen Verbreitung der Affenpocken hatte die WHO am
vorigen Wochenende die höchste Alarmstufe ausgerufen. Der Ausbruch
sei eine «Notlage von internationaler Tragweite», erklärte
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die internationale
Verbreitung der Infektionskrankheit ist ungewöhnlich. Bisher war sie
im Wesentlichen auf sechs afrikanische Länder beschränkt.

Nach jüngsten WHO-Zahlen wurden bisher weltweit knapp 22 000
Affenpocken-Fälle bestätigt. Besonders betroffen ist demnach die
Region Europa mit mehr als 14 000 Fällen.

Die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides schickte am Mittwoch
einen Brandbrief an die zuständigen Minister der EU-Staaten. Die EU
sei das Zentrum der entdeckten Fälle, hieß es darin. Angesichts der
von der WHO erklärten Notlage sei es unter anderem wichtig, dass die
EU-Staaten solide Systeme zur Überwachung der Lage und zum Melden
neuer Fälle hätten.



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