EU will an alternativen Routen für Getreide aus Ukraine festhalten

04.08.2022 15:54

Über ukrainische Schwarzmeerhäfen kann wieder Getreide exportiert
werden. Da die Mengen vorerst weit vom Vorkriegsniveau entfernt
bleiben dürften, will die EU allerdings am Ausbau alternativer Routen
festhalten. Die zuständige Brüsseler Kommissarin bittet um Hilfe.

Brüssel (dpa) - Die EU will trotz der Wiederaufnahme von
Getreideexporten über ukrainische Schwarzmeerhäfen an ihrer
Initiative für alternative Frachtrouten festhalten. Da es schwierig
sein werde, die Ausfuhrmenge über die Schwarzmeerhäfen sofort wieder
auf Vorkriegsniveau zu bringen, blieben andere Transportwege von
entscheidender Bedeutung, erklärte ein Beamter der zuständigen
EU-Kommission auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Jede
exportierte Tonne zähle, und indem man die Kapazität und Flexibilität

des europäischen Verkehrssystems erhöhe, könne man dazu beitragen,
die Nahrungsmittelversorgung in armen Partnerländern zu sichern.

Die für den Transportsektor verantwortliche EU-Kommissarin Adina
Valean erklärte: «Es sind noch Verbesserungen möglich.» So gebe es

nicht genügend Güterwaggons und Binnenschiffer und es brauche mehr
Kapazitäten für die vorübergehende Lagerung ukrainischer Ausfuhren.
Jede Art von Hilfe sei willkommen.

Die EU engagiert sich für die Erleichterung von Agrarexporten aus der
Ukraine, weil durch Russlands Angriffskrieg bedingte Blockaden
erhebliche Auswirkungen auf die globalen Nahrungsmittelmärkte haben
und in Ländern des Nahen Ostens, Asiens und Afrikas die
Ernährungssicherheit bedrohen. Nach Angaben der Kommission war die
Ukraine bis zum Beginn des russischen Angriffskriegs der weltweit
größte Exporteur von Sonnenblumenöl, der drittgrößte Exporteur vo
n
Rapssamen und Gerste, der viertgrößte Exporteur von Mais sowie und
der fünftgrößte Exporteur von Weizen.

Agrarexporte über die ukrainischen Schwarzmeerhäfen waren wegen des
russischen Angriffskrieges zuletzt monatelang blockiert gewesen. Die
EU-Kommission hatte deswegen im Frühjahr eine Initiative zum Ausbau
alternativer Logistikrouten über Länder der Europäischen Union
gestartet. Sie trug dazu bei, dass im Juli nach jüngsten Zahlen rund
2,8 Millionen Tonnen Getreide, Ölsaaten und verwandte Erzeugnisse die
Ukraine verlassen konnten - nach nur rund 1,34 Millionen Tonnen im
April. Stark genutzt wurden nach Angaben der Brüsseler Behörde dabei
vor allem Transportwege zu Häfen in Rumänien und Polen.

Die größten Hoffnungen ruhen derzeit allerdings auf einem von den
Vereinten Nationen und der Türkei vermittelten Abkommen, das eine
Wiederaufnahme von regelmäßigen ukrainischen Agrarexporten über das
Schwarze Meer ermöglichen soll. Über die ukrainischen
Schwarzmeerhäfen wurden nach EU-Zahlen bis vor dem Krieg rund 90
Prozent der Ausfuhren von Getreide und Ölsaaten abgewickelt - bei
Getreide waren es demnach bis zu fünf Millionen Tonnen pro Monat.

Dass dieses Niveau in absehbarer Zeit wieder erreicht werden kann,
gilt nichtsdestotrotz als unwahrscheinlich. Das erste Schiff, das
Anfang der Woche unter dem UN-Deal den Hafen von Odessa verließ,
hatte gerade einmal rund 26 000 Tonnen Mais geladen. Es wird am
Sonntag in der libanesischen Hafenstadt Tripoli erwartet.



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