Taiwans Präsidentin nennt chinesische Manöver «unverantwortlich»

05.08.2022 04:46

Taipeh (dpa) - Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen hat die chinesischen
Manöver um die demokratische Inselrepublik «unverantwortlich»
genannt. In einer Videoansprache am späten Donnerstagabend forderte
die Präsidentin die chinesische Führung nachdrücklich zur Vernunft
und Zurückhaltung auf. Taiwan werde die Spannungen nicht eskalieren,
sondern wolle den Status quo bewahren. Ihre Regierung arbeite daran,
den Betrieb der taiwanischen Häfen und Flughäfen reibungslos zu
gestalten und die Finanzmärkte zu stabilisieren.

Die Präsidentin dankte der G7-Gruppe der sieben führenden
Industrienationen zusammen mit der Europäischen Union für deren
Unterstützung. Die G7 hatte ihre Sorge geäußert und betont, es gebe
keinen Grund dafür, einen Besuch als Vorwand «für aggressive
militärische Aktivitäten» zu benutzen. China hatte die Manöver am
Dienstag als Reaktion auf die Visite der Vorsitzenden des
US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Taiwan gestartet. Es war
die ranghöchste Visite aus den USA seit einem Vierteljahrhundert.

In Peking wurden Botschafter der EU-Länder und der Vertreter der
EU-Delegation am Donnerstag ins Außenministerium zitiert, wo ihnen
ein formeller Protest gegen die G7-Erklärung übergeben wurde, wie
Chinas Außenamt am Freitag berichtete.

Die kommunistische Führung ist verärgert, weil sie Taiwan für sich
beansprucht. Peking sieht die Insel als Teil der Volksrepublik an und
droht mit einer militärischen Eroberung. Taiwan hingegen versteht
sich als unabhängig. Mit seiner «Ein-China-Doktrin» lehnt Peking
offizielle Kontakte anderer Länder zu Taipeh strikt ab. Wegen des
Drucks aus Peking unterhalten nur wenige, meist kleinere Staaten
diplomatische Beziehungen zu der Inselrepublik.



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