EU-Kommission legt Klimaziel für 2040 vor Von Katharina Redanz, dpa

02.07.2025 04:30

Bis 2030 will die EU 55 Prozent ihrer CO2-Emissionen reduzieren, bis
2050 klimaneutral sein. Fehlt noch ein verbindliches Ziel für 2040.
Was hat Brüssel vor?

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission schlägt ein verbindliches Klimaziel
für 2040 vor. Um wie viel Prozent Europa seine Treibhausgasemissionen
bis 2030 und bis 2050 reduzieren muss, steht schon fest. Was bislang
fehlt, sind Vorgaben, wo die EU in 15 Jahren stehen will. 2024 hatte
die EU-Kommission schon eine - rechtlich unverbindliche - Empfehlung
vorgelegt. 

Die Treibhausgasemissionen sollen demnach bis zu diesem Jahr um
mindestens 90 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken. Viele finden das
zu ambitioniert. Es sind auch bereits Informationen durchgesickert,
was genau die Kommission vorschlagen könnte. Ein Überblick:

Welche Ziele gelten bislang?

Die EU muss ihre Klimaziele bislang durch Treibhausgas-Minderungen
auf eigenem Boden erreichen. Bis 2030 müssen die Emissionen um 55
Prozent gegenüber 1990 sinken. Bis 2050 will die EU klimaneutral
sein, also nicht mehr Treibhausgase ausstoßen als wieder gebunden
werden können. Ein verbindliches Zwischenziel für 2040 gibt es
bislang aber nicht. 

Auch Deutschland hat sich bereits Klimaziele gesetzt - hinkt diesen
allerdings hinterher. Bis zum Jahr 2030 sollen die
Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Jahr 1990 um mindestens 65
Prozent sinken, bis zum Jahr 2040 um mindestens 88 Prozent. Bis 2045
soll Treibhausgasneutralität erreicht werden.

Warum braucht es noch ein Ziel für 2040?

Laut EU-Klimagesetz muss es ein verbindliches Ziel für 2040 geben.
Außerdem soll es als Grundlage genutzt werden für die Klimapläne, die

die EU bei den Vereinten Nationen einreichen muss. Bis spätestens
September muss die EU ihre Klimaschutzpläne für den Zeitraum bis 2035
vorlegen, damit sie rechtzeitig vor der Weltklimakonferenz in
Brasilien im November kommen. 

Die erste Einreichungsfrist im Februar hatte die Staatengemeinschaft
- wie die allermeisten Länder - versäumt. Die nationalen Klimapläne
sind ein zentrales Element des Pariser Klimaschutzabkommens, das
dieses Jahr zehnjähriges Jubiläum feiert. Zudem dient das
2040-Zwischenziel als Wegmarke für das endgültige Ziel, bis 2050
klimaneutral zu sein. 

Wie soll das 2040-Ziel aussehen? 

Die EU-Kommission will einer Empfehlung aus dem vergangenen Jahr
zufolge vorschlagen, eine Minderung um mindestens 90 Prozent im
Vergleich zu 1990 festzulegen. Erste durchgesickerte Entwürfe des
Gesetzes, das nun vorgestellt wird, bestätigen das. Es gab allerdings
auch schon einige Kritik an der 90-Prozent-Vorgabe. Aus dem Parlament
und auch von EU-Staaten hieß es, das 2040-Ziel sei zu ehrgeizig. 

Aus den Entwürfen geht nun hervor, dass die Kommission wohl an der
90-Prozent-Vorgabe festhält - gleichzeitig aber mehr Flexibilität
schaffen will. Dazu zählt etwa die Anerkennung von Klimazertifikaten
aus Nicht-EU-Ländern. Mit diesen könnten dann Treibhausgasemissionen,
die in der EU entstehen, verrechnet werden.

CDU, CSU und SPD nennen dies im Koalitionsvertrag als eine
Voraussetzung für die deutsche Unterstützung für das 90-Prozent-Ziel:

Zertifikate sollen demnach maximal drei Prozentpunkte des Ziels
ausmachen. 

Was könnte das für Folgen haben?

Auch wenn mit den Zertifikaten nur ein Bruchteil der
Klimaschutzanstrengungen beglichen werden würde, sorgen die Pläne für

Aufregung. Denn Kritiker befürchten, dass dieser Anteil künftig
steigen könnte - und dass die EU solche Instrumente in größerem
Umfang zulässt. 

Unternehmen, denen es besonders auf Klimaschutz ankommt oder die
damit werben wollen, können heute schon Zertifikate kaufen - zum
Beispiel für Aufforstungsprojekte, saubere Kochöfen, bessere
Trinkwasserversorgung oder Solarparks. Das hat bislang jedoch nichts
mit den staatlichen Klimazielen zu tun. 

Die Idee ist nicht neu - es gibt sogar schon Erfahrungen mit einem
ähnlichen System unter dem Kyoto-Protokoll, dem Vorläufer des Pariser
Klimaabkommens von 2015. Es war allerdings keine Erfolgsgeschichte. 

Wie wirkt sich der Klimawandel in Europa aus?

Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse nehmen Experten
zufolge zu. Dazu zählten Hitzewellen, Dürren, Wirbelstürme,
Überschwemmungen oder Flächenbrände. Hinzu kämen Umweltveränderun
gen
wie schmelzende Gletscher, ein steigender Meeresspiegel oder sinkende
Grundwasserspiegel. Auch nimmt die Artenvielfalt ab. Der Klimawandel
birgt auch viele Gesundheitsrisiken. Europa ist besonders stark
betroffen. 

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die
europäische Region die Gegend, die sich weltweit am schnellsten
erwärmt. Ein Drittel aller weltweiten Hitze-Todesfälle entfallen
demnach auf diese Region. Zudem seien hier zehn Prozent aller
Stadtbewohner von Überschwemmungen bedroht. Die durch den Klimawandel
zu erwartenden häufigeren heftigen Niederschläge und der Anstieg des
Meeresspiegels verschlimmern demnach die Situation.

Wie geht es weiter?

Über die Vorschläge der Kommission diskutieren nun die EU-Staaten und
das Europaparlament. Sie bilden zunächst unabhängig voneinander
jeweils eine eigene Position zu dem Vorhaben und versuchen im
Anschluss einen gemeinsamen Kompromiss auszuhandeln.