Initiative zu Ukraine: Merz sucht gemeinsame Linie mit Trump
11.08.2025 17:37
In Alaska treffen sich am Freitag US-Präsident Trump und der
russische Präsident Putin und verhandeln über ein Ende des
Ukraine-Kriegs. Doch die Europäer wollen mitreden.
Berlin (dpa) - Bundeskanzler Friedrich Merz versucht zu einer
gemeinsamen Linie der Europäer mit US-Präsident Donald Trump über ein
mögliches Ende des Ukraine-Kriegs zu kommen. Am Mittwoch und damit
zwei Tage vor dem geplanten Treffen Trumps mit dem russischen
Präsidenten Wladimir Putin in Alaska beraten auf Initiative des
Kanzlers europäische Staats- und Regierungschefs mit dem ukrainischen
Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Trump.
Bei der Videokonferenz soll es unter anderem um weitere
Handlungsoptionen gehen, um Druck auf Russland zu erzeugen. «Darüber
hinaus soll über die Vorbereitung möglicher Friedensverhandlungen und
damit verbundene Fragen zu Territorialansprüchen und Sicherheiten
gesprochen werden», teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius in
Berlin mit.
Am Freitag wollen Trump und Putin im US-Bundesstaat Alaska über eine
mögliche Friedenslösung in dem seit rund dreieinhalb Jahren dauernden
russischen Angriffskrieg verhandeln. Trump stellt das Treffen in
Alaska als Versuch dar, einem Ende der Kämpfe näherzukommen. Er
sprach in diesem Kontext von einem möglichen Gebietstausch zwischen
der Ukraine und Russland. Die Ukraine lehnt Gebietsabtretungen strikt
ab.
Vorberatungen vor Alaska-Gipfel
Vor den digitalen Beratungen mit Trump sowie US-Vizepräsident JD
Vance am Mittwochnachmittag ist laut deutschen Regierungsangaben ein
virtuelles Meeting von Merz mit den Staats- und Regierungschefs aus
Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Finnland geplant, an
dem auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen,
Nato-Generalsekretär Mark Rutte sowie Selenskyj teilnehmen sollen.
Nach den Beratungen mit Trump sind noch einmal Beratungen
europäischer Staats- und Regierungschefs geplant.
Eine Sprecherin der EU-Kommission bestätigte, dass von der Leyen an
den Beratungen europäischer Regierungschefs mit Trump teilnimmt. Die
Gespräche würden von Merz organisiert. Dem Élysée-Palast zufolge is
t
auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Teil der Gespräche mit
Trump. Demnach handelt es sich um eine gemeinsame Initiative von
Macron, Merz und dem britischen Premier Keir Starmer.
Ukraine an Friedenslösung beteiligen
Die Bundesregierung betonte die Bedeutung einer Beteiligung der
Ukraine an jeder Friedenslösung. Zugleich könne dies «ein sehr, sehr
wichtiger Moment sein für den weiteren Verlauf dieses schrecklichen
Krieges», sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen
Meyer.
Er verwies auf Aussagen von Merz, der in der ARD erklärt habe, er
setze darauf, dass die Ukrainer eingebunden würden. Der Sprecher
sagte: «Denn wenn das Ziel ist, wirklich einen nachhaltigen und auch
gerechten Frieden zu erreichen, dann ist das ja nur vorstellbar mit
der Ukraine. Es ist ja völlig ausgeschlossen, dieses Ziel zu
erreichen über die Köpfe der Ukrainerinnen und Ukrainer hinweg.»
Auch Polen hatte vor dem geplanten Treffen von Trump und Putin die
Beteiligung der benachbarten Ukraine an jeder Friedenslösung
angemahnt.
Mögliche Gebietsabtretungen?
Nato-Generalsekretär Rutte betonte, die Ukraine sei ein souveräner
Staat, der seine geopolitische Zukunft selbst bestimme. Dem US-Sender
ABC sagte er aber auch: «Wir müssen im Moment zur Kenntnis nehmen,
dass Russland einen Teil des ukrainischen Territoriums kontrolliert.»
Nach einer Waffenruhe werde sich die Frage stellen, wie es in
territorialen Fragen und mit Blick auf mögliche Sicherheitsgarantien
für die Ukraine weitergehe.
Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, mahnte,
den Fokus nicht nur auf territoriale Fragen zu richten, sondern auf
die Menschen.
Unterdessen wollten die EU-Außenminister bei einer Videokonferenz
ihre nächsten Schritte besprechen. «Europas Kerninteressen stehen auf
dem Spiel», teilte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas vor einer
Sondersitzung mit. Sie betonte, dass jede Vereinbarung zwischen den
USA und Russland die Ukraine und die EU einschließen müsse, «denn es
geht um die Sicherheit der Ukraine und ganz Europas». Russlands
Aggression dürfe nicht belohnt werden - die vorübergehend russisch
besetzten Gebiete gehörten zur Ukraine.
Selenskyj: Werden unsere Unabhängigkeit verteidigen
Der ukrainische Präsident Selenskyj unterstrich in seiner abendlichen
Videoansprache indirekt, dass er einen Deal zum Gebietstausch nicht
akzeptieren werde. «Wir werden unser Land und unsere Unabhängigkeit
auf jeden Fall verteidigen», betonte er. Und alles, was die Ukraine
betreffe, müsse unter Beteiligung der Ukraine entschieden werden.
In dem Treffen am Freitag sieht der ukrainische Präsident einen neuen
Täuschungsversuch Moskaus. «Wir verstehen die Absicht der Russen,
Amerika zu täuschen - das werden wir nicht zulassen», sagte
Selenskyj. Er schätze die Entschlossenheit Trumps, den Krieg zu
beenden. Dennoch sei der einzige Grund für das fortgesetzte Töten in
der Ukraine der Wunsch Putins, Krieg zu führen «und alle zu
manipulieren, mit denen er in Kontakt kommt».
Treffen ohne Ukraine
Selenskyj ist nicht nach Alaska eingeladen. Der US-Nato-Botschafter
schließt allerdings eine Einladung an Selenskyj zu dem Treffen nicht
aus. «Ich halte es durchaus für möglich», sagte Matthew Whitaker de
m
Sender CNN. Die Entscheidung werde von US-Präsident Trump getroffen.
Mit Blick auf einen von Trump ins Spiel gebrachten «Gebietstausch»
zwischen Russland und der Ukraine sagte Whitaker, es gehe darum, eine
Einigung zu finden. Unterhändler berieten aktuell darüber, welche
Gebiete betroffen sein könnten.
Viele Verletzte bei russischem Luftschlag - Tote in Russland
Bei einem russischen Luftangriff mit Flugzeugbomben auf die
südukrainische Großstadt Saporischschja wurden unterdessen mindestens
20 Menschen verletzt. Wie Militärverwalter Iwan Fedorow auf Facebook
mitteilte, traf eine der Gleitbomben einen Busbahnhof im
Zentrum. Russland meldete am späten Abend unter anderem zwei Tote bei
einem ukrainischen Drohnenangriff in Tula.