Vor Alaska-Gipfel: Trump erwartet kein Abkommen mit Putin

11.08.2025 21:46

In Alaska treffen sich am Freitag US-Präsident Trump und der
russische Präsident Putin und verhandeln über ein Ende des
Ukraine-Kriegs. Doch die Europäer wollen mitreden.

Berlin/Washington (dpa) - Vor dem Treffen mit Kremlchef Wladimir
Putin hat US-Präsident Donald Trump klargestellt, dass die beiden
kein Abkommen zum Ukraine-Krieg abschließen werden. «Ich werde keinen
Deal machen», sagte er bei einer Pressekonferenz in Washington und
verwies darauf, dass dies nicht seine Aufgabe sei. Trump fügte hinzu,
dass er gerne eine Waffenruhe sehen würde. «Ich möchte den besten
Deal sehen, der für beide Seiten erzielt werden kann.» 

Am Freitag wollen Trump und Putin im US-Bundesstaat Alaska über eine
mögliche Friedenslösung in dem seit rund dreieinhalb Jahren dauernden
russischen Angriffskrieg verhandeln. Trump stellt das Treffen in
Alaska als Versuch dar, einem Ende der Kämpfe näherzukommen. Er
sprach in diesem Kontext von einem möglichen Gebietstausch zwischen
der Ukraine und Russland. Die Ukraine lehnt Gebietsabtretungen strikt
ab. 

Trump kündigte zudem an, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr
Selenskyj sowie europäische Staats- und Regierungschefs nach dem
Alaska-Gipfel sofort über das Gespräch mit Putin zu informieren.

Vorberatungen vor Alaska-Gipfel

Bundeskanzler Friedrich Merz versucht unterdessen, eine gemeinsame
Linie zwischen den Europäern und US-Präsident Donald Trump zu finden.
Am Mittwoch beraten auf Initiative des Kanzlers europäische Staats-
und Regierungschefs mit Selenskyj und Trump. 

Bei der Videokonferenz soll es unter anderem um darum gehen, wie
Druck auf Russland aufgebaut werden kann. «Darüber hinaus soll über
die Vorbereitung möglicher Friedensverhandlungen und damit verbundene
Fragen zu Territorialansprüchen und Sicherheiten gesprochen werden»,
teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin mit. 

Zur Vorbereitung auf das Gespräch mit Trump ist außerdem ein
virtuelles Meeting von Merz mit den Staats- und Regierungschefs aus
Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Finnland geplant, an
dem auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen,
Nato-Generalsekretär Mark Rutte sowie Selenskyj teilnehmen sollen.
Nach den Beratungen mit Trump sind noch einmal Beratungen
europäischer Staats- und Regierungschefs geplant. 

Eine Sprecherin der EU-Kommission bestätigte, dass von der Leyen an
den Beratungen europäischer Regierungschefs mit Trump teilnimmt. Die
Gespräche würden von Merz organisiert. Dem Élysée-Palast zufolge is
t
auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Teil der Gespräche mit
Trump. Demnach handelt es sich um eine gemeinsame Initiative von
Macron, Merz und dem britischen Premier Keir Starmer. 

Ukraine an Friedenslösung beteiligen

Die Bundesregierung betonte die Bedeutung einer Beteiligung der
Ukraine an jeder Friedenslösung. Zugleich könne dies «ein sehr, sehr

wichtiger Moment sein für den weiteren Verlauf dieses schrecklichen
Krieges», sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen
Meyer.

Er verwies auf Aussagen von Merz, der in der ARD erklärt habe, er
setze darauf, dass die Ukrainer eingebunden würden. Der Sprecher
sagte: «Denn wenn das Ziel ist, wirklich einen nachhaltigen und auch
gerechten Frieden zu erreichen, dann ist das ja nur vorstellbar mit
der Ukraine. Es ist ja völlig ausgeschlossen, dieses Ziel zu
erreichen über die Köpfe der Ukrainerinnen und Ukrainer hinweg.»

Mögliche Gebietsabtretungen?

Trump brachte erneut den Austausch von Gebieten ins Spiel. Er sagte,
dass es Veränderungen im Land geben werde. «Wir werden die
Frontlinien verschieben», sagte der US-Präsident weiter ohne genauere
Details zu nennen. Man werde versuchen, einen Teil für die Ukraine
zurückzugewinnen.

Zugleich kritisierte Trump Selenskyj. Er verstehe sich mit ihm, aber
mit dessen Vorgehen sei er nicht einverstanden. Moskau forderte
zuletzt für eine friedliche Lösung des Konflikts unter anderem einen
Verzicht der Ukraine auf einen Nato-Beitritt sowie die Abtretung der
von Russland annektierten Gebiete. Der ukrainische Präsident
Wolodymyr Selenskyj lehnt den Verzicht auf die von Russland schon
2014 annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim sowie auf die teils von
Moskau kontrollierten Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und
Cherson bisher unter Verweis auf die Verfassung aber kategorisch ab.

Trump sagte, es habe ihn etwas gestört, das Selenskyj auf die
Verfassung in der Sache verweist, aber ja auch die Zustimmung dafür
erhalten habe, «Krieg zu führen und alle zu töten».

Russland hatte den Krieg vor rund dreieinhalb Jahren gegen die
Ukraine begonnen.

Nato-Generalsekretär Rutte hatte betont, die Ukraine sei ein
souveräner Staat, der seine geopolitische Zukunft selbst bestimme.
Dem US-Sender ABC sagte er aber auch: «Wir müssen im Moment zur
Kenntnis nehmen, dass Russland einen Teil des ukrainischen
Territoriums kontrolliert.» Nach einer Waffenruhe werde sich die
Frage stellen, wie es in territorialen Fragen und mit Blick auf
mögliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine weitergehe. 

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas betonte nach einer Videokonferenz
der EU-Außenminister dagegen: «Solange Russland nicht einem
vollständigen und bedingungslosen Waffenstillstand zugestimmt hat,
sollten wir nicht einmal über irgendwelche Zugeständnisse
diskutieren.» Ein Waffenstillstand müsse streng überwacht werden und

es brauche «eiserne Sicherheitsgarantien». Zudem kündigte Kallas ein

neues Sanktionspaket der EU gegen Russland an. Es wäre das 19. Paket
mit Strafmaßnahmen gegen Moskau. Details zu den geplanten Sanktionen
nannte sie nicht. 

Selenskyj: Werden unsere Unabhängigkeit verteidigen

Der ukrainische Präsident Selenskyj unterstrich indirekt, dass er
einen Deal zum Gebietstausch nicht akzeptieren werde. «Wir werden
unser Land und unsere Unabhängigkeit auf jeden Fall verteidigen»,
betonte er. Und alles, was die Ukraine betreffe, müsse unter
Beteiligung der Ukraine entschieden werden. 

In dem Treffen am Freitag sieht der ukrainische Präsident einen neuen
Täuschungsversuch Moskaus. «Wir verstehen die Absicht der Russen,
Amerika zu täuschen - das werden wir nicht zulassen», sagte
Selenskyj. Er schätze die Entschlossenheit Trumps, den Krieg zu
beenden.

Kremlchef Wladimir Putin bereite sich «definitiv nicht» auf einen
Waffenstillstand vor, sagte Selenskyj in seiner abendlichen
Videoansprache. Er sei nur entschlossen, das Treffen mit US-Präsident
Donald Trump «als seinen persönlichen Sieg darzustellen und weiterhin
so zu handeln, wie er bisher gehandelt hat».

Treffen ohne Ukraine

Selenskyj ist nicht nach Alaska eingeladen. Der US-Nato-Botschafter
schließt allerdings eine Einladung an Selenskyj zu dem Treffen nicht
aus. «Ich halte es durchaus für möglich», sagte Matthew Whitaker de
m
Sender CNN. Die Entscheidung werde von US-Präsident Trump getroffen. 

Trump selbst stellte ein Treffen von Selenskyj und Putin in Aussicht:
«Das nächste Treffen wird mit Selenskyj und Putin sein, oder mit
Selenskyj, Putin und mir.» Der US-Präsident bot an, dass er
hinzukommen wolle, sofern er bei einem Treffen der beiden benötigt
werde.