Merz und Selenskyj reden mit Trump über Friedensbedingungen

13.08.2025 17:34

Was hat das Signal gebracht? Selenskyj reist auf Einladung von
Kanzler Merz zu den Beratungen mit Trump nach Berlin. Der ukrainische
Präsident spricht danach von einem Schritt nach vorn.

Berlin (dpa) - Vor dem USA-Russland-Gipfel bestehen Kanzler Friedrich
Merz (CDU) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf
Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Beim Treffen von Trump und dem
russischen Präsidenten Wladimir Putin am Freitag in Alaska müssten
grundlegende europäische und ukrainische Sicherheitsinteressen
gewahrt bleiben. 

«Das war die Botschaft, die wir heute als Europäerinnen und Europäer

dem amerikanischen Präsidenten Trump mit auf den Weg gegeben haben»,
sagte Merz in Berlin nach Beratungen europäischer Staats- und
Regierungschefs mit Trump und Selenskyj. Merz betonte, «eine
rechtliche Anerkennung russischer Besetzungen steht nicht zur
Debatte».

Auch Selenskyj erhofft sich vor dem bevorstehenden Alaska-Gipfel
einen sofortigen Waffenstillstand sowie robuste Sicherheitsgarantien
für sein Land. Bei allen Verhandlungen, bei denen es um die Zukunft
seines Landes gehe, müsse die Ukraine mit am Tisch sitzen, betonte
er.

Europäer bestehen auf fünf Punkten für Gespräche mit Russland

Merz bekräftige fünf Grundvoraussetzungen für eine Friedenslösung i
m
Ukraine-Krieg. «Ein Waffenstillstand muss am Anfang stehen», sagte
Merz. Wesentliche Elemente sollten dann anschließend in einem
Rahmenabkommen vereinbart werden. 

Weiter nannte er: «Die Ukraine ist zu Verhandlungen über territoriale
Fragen bereit. Dann muss aber die sogenannte Kontaktlinie der
Ausgangspunkt sein und eine rechtliche Anerkennung russischer
Besetzungen steht nicht zur Debatte. Der Grundsatz, dass Grenzen
nicht gewaltsam verändert werden dürfen, muss fortgelten.»

Nötig seien zudem «robuste Sicherheitsgarantien für Kiew» und die
Verteidigungsfähigkeit durch die ukrainischen Streitkräfte. Zudem
müssten Verhandlungen Teil einer gemeinsamen transatlantischen
Strategie sein.

Sollte es in Alaska keine Bewegung geben, müssten die USA und die
Europäer den Druck erhöhen, betonte Merz. «Präsident Trump kennt
diese Position, er teilt sie sehr weitgehend. Und deswegen kann ich
sagen: Wir haben ein wirklich ausgesprochen konstruktives und gutes
Gespräch miteinander gehabt.» Nato-Generalsekretär Mark Rutte, der
ebenfalls daran teilgenommen hatte, sprach auf X von einem
«großartigen Telefonat».

Europäer hatten vorab mit Selenskyj über gemeinsame Linie beraten 

Merz hatte Selenskyj am Mittag im Kanzleramt in Berlin ausgesprochen
herzlich in Empfang genommen. Die Einladung galt als ein besonderes
Zeichen der Solidarität.

Der Kanzler hatte vor den Beratungen mit Trump enge europäische
Verbündete der Ukraine zu einer Vorbesprechung eingeladen. Die
Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Großbritannien, Italien,
Polen und Finnland, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen,
EU-Ratspräsident António Costa, Nato-Generalsekretär Rutte sowie
Selenskyj sollten an den Beratungen teilnehmen. 

Im Anschluss an die Videoschalte mit Trump wollte Merz die Ergebnisse
dann in der sogenannten Koalition der Willigen unter Federführung von
Deutschland, Frankreich und Großbritannien nachbesprechen.

Trump versichert: «Ich werde keinen Deal machen»

Die Europäer und Selenskyj befürchten, dass sich Trump und Putin am
Freitag auf Gebietsabtretungen beziehungsweise einen «Gebietstausch»
der Ukraine mit Russland verständigen könnten, was Kiew strikt
ablehnt. Nach US-Medienberichten unter Berufung auf Regierungskreise
soll das Einzelgespräch von Trump und Putin auf dem Militärstützpunkt

Elmendorf-Richardson in der Stadt Anchorage in Alaska stattfinden. 

Trump hatte das geplante Treffen als Versuch dargestellt, einem Ende
oder zumindest einer Unterbrechung des seit rund dreieinhalb Jahre
andauernden russischen Angriffskriegs näherzukommen. Am Montag hatte
er in Washington aber auch versichert: «Ich werde keinen Deal machen»
- dies sei nicht seine Aufgabe. 

Was Trump entscheiden kann und was nicht 

Tatsächlich kann Trump Putin ohne Zustimmung der Ukraine keinerlei
verbindliche Zusagen machen. Die USA können der ukrainischen Armee
weder eine Feuerpause noch einen Rückzug aus eigenen Gebieten
diktieren, zumal ein Territorialverzicht eine Änderung der
ukrainischen Verfassung voraussetzen würde. 

Trump verfügt allerdings über erhebliche Druckmittel: Neben
Waffenlieferungen könnte er auch die Bereitstellung von
Satellitendaten oder Geheimdienstinformationen aus den USA stoppen,
die für die Ukraine im Krieg kaum zu ersetzen sind. Der US-Präsident
betont immer wieder, dass die USA nicht weiter für den ukrainischen
Verteidigungskampf zahlen wollen.

Moskau: Russlands nationale Interessen bei Gipfel im Vordergrund

Zu der Möglichkeit einer Gebietsabtretung für eine Beendigung des
Krieges in der Ukraine hieß es vom russischen Außenministerium,
territoriale Fragen seien in der russischen Verfassung geregelt.
«Damit ist alles gesagt», sagte der stellvertretende
Ministeriumssprecher Alexej Fadejew in Moskau.

Moskaus Annexionen ukrainischer Gebiete und deren Aufnahme in die
russische Verfassung sind international nicht anerkannt. Zudem droht
Russland mit der Einnahme weiterer Gebiete, sollte die Ukraine sich
nicht auf einen Moskauer Diktatfrieden einlassen. Russland werde sich
bei dem Gipfel mit den USA ausschließlich von seinen nationalen
Interessen leiten lassen, sagte Fadejew.