Mehr als die Hälfte der EU-Staaten bricht Haushaltsregeln
22.04.2026 12:19
Frankreichs hohe Schuldenquote bleibt ein Dauerthema. Doch es ist
nicht das einzige EU-Land, das gegen die europäischen Schuldenregeln
verstößt.
Luxemburg (dpa) - Mehr als die Hälfte der EU-Mitgliedstaaten hat im
vergangenen Jahr ihre selbst auferlegten Regeln für Haushaltsdefizite
und Staatsschulden gebrochen. Mit Ausnahme von Zypern, Dänemark,
Irland, Griechenland und Portugal gaben alle 27 EU-Länder mehr Geld
aus, als sie einnahmen, wie aus Daten des EU-Statistikamtes Eurostat
hervorgeht.
Elf Mitgliedstaaten hatten demnach ein Defizit von drei Prozent oder
mehr bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung und lagen damit über
den geltenden Obergrenzen. Das höchste Defizit hatte 2025 den Daten
zufolge Rumänien mit 7,9 Prozent. Deutschlands Defizit lag Eurostat
zufolge bei 2,7 Prozent.
Regelbrecher riskieren Strafverfahren
Die europäischen Schuldenregeln, auch Stabilitäts- und Wachstumspakt
genannt, gelten für alle Mitgliedsländer der EU. Das Regelwerk
schreibt unter anderem vor, dass der Schuldenstand eines
Mitgliedstaates 60 Prozent der Wirtschaftsleistung nicht
überschreiten darf. Gleichzeitig muss das Haushaltsdefizit unter drei
Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bleiben.
Wer die Grenzen übertritt, riskiert ein Strafverfahren. Gegen die
hoch verschuldeten Länder Frankreich und Italien sowie einige andere
EU-Länder laufen derzeit daher sogenannte Defizitverfahren.
Im vergangenen Jahr wiesen den Eurostat-Angaben zufolge 12 EU-Länder
eine Schuldenquote von mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts
auf. Die höchsten Schuldenquoten gab es demnach in Griechenland
(146,1 Prozent), Italien (137,1 Prozent) und Frankreich (115,6
Prozent). Die Schuldenquote Deutschlands betrug 2025 nach
Eurostat-Angaben 63,5 Prozent.
