Wadephul: Beitritt von Westbalkanländern im ureigensten EU-Interesse

17.11.2025 16:22

Montenegro gilt als recht weit im stockenden Prozess der Annäherung
an die EU. Der Außenminister will dem Verfahren neuen Schwung geben.
Hat aber auch mahnende Worte parat.

Podgorica (dpa) - Außenminister Johann Wadephul fordert die
EU-Aspiranten auf dem westlichen Balkan auf, ethnische Spannungen zu
überwinden und Reformen für einen EU-Beitritt kraftvoll fortzusetzen.
Die Erweiterung der EU «liegt in unserem ureigensten Interesse»,
betonte der CDU-Politiker in der montenegrinischen Hauptstadt
Podgorica zugleich nach getrennten Treffen mit Präsident Jakov
Milatovic, Ministerpräsident Milojko Spajic und seinem Kollegen Ervin
Ibrahimovic. Der Regierung in Montenegro sagte Wadephul weitere
Unterstützung auf dem Weg in die EU zu.

«Eine starke und geeinte Europäische Union leistet den besten Beitrag
zu Sicherheit und Wohlstand für die Bürgerinnen und Bürger der
gesamten EU», sagte Wadephul. Gerade in Zeiten geopolitischer
Umwälzung müsse man sich «darauf besinnen, was uns verbindet: Ein
Raum des Rechts, der trotz aller Herausforderungen eine bedeutende
Wirtschaftskraft und ein politisches Gewicht hat, das Freiheit
ermöglicht.»

Der Bundesaußenminister lobte «sehr große Fortschritte» Montenegros

beim Beitrittsprozess zur EU. «Wenn die Anstrengungen jetzt
intensiviert werden und wenn Montenegro nicht nachlässt, dann kann
dieser Weg erfolgreich sein.»

Ibrahimovic dankte Wadephul laut offizieller Übersetzung für die
Unterstützung für den EU-Kurs seines Landes. «Montenegro ist ein
verlässlicher Partner», versicherte er. Deutsche Investoren seien
erwünscht im Land. Erneuerbare Energie sei am attraktivsten, aber
auch deutsche Touristen seien willkommen. Montenegro strebt den
EU-Beitritt bis 2028 an. 

In Tirana Treffen mit Anti-Korruptionsermittlern

In der albanischen Hauptstadt Tirana wollte Wadephul am Nachmittag
zunächst mit dem Leiter der Sonderstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung
von Korruption, Organisierter Kriminalität und Terrorismus, Altin
Dumani, sprechen. Der Bundesregierung bereitet Sorgen, dass Albanien
- wie im Grunde alle Staaten auf dem Westbalkan - mit Korruption und
organisierter Kriminalität zu kämpfen hat, die oft Hand in Hand mit
der internationalen Drogenmafia geht. Anschließend waren politische
Gespräche geplant.

Balkanstaaten unterschiedlich weit im EU-Beitrittsprozess

Die sechs Westbalkanländern Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo,
Nordmazedonien, Montenegro und Serbien streben teils seit Jahrzehnten
einen Beitritt zur EU an. Montenegro wird als am weitesten im
EU-Beitrittsprozess gesehen, ein Datum für eine Aufnahme steht aber
nicht in Aussicht. Mit Montenegro und Serbien führt die EU seit 2012
beziehungsweise 2014 Beitrittsverhandlungen. Mit Albanien und
Nordmazedonien wurde der Verhandlungsprozess 2022 gestartet.
Bosnien-Herzegowina hat den Status eines Beitrittskandidaten, ist
aber bislang noch nicht in Verhandlungen. Das Kosovo ist potenzieller
Beitrittskandidat.