Wirtschaft will die digitale Brieftasche vorantreiben

18.11.2025 10:00

Digitale Ausweise, Führerschein und Krankenkassenkarte im Handy? Die
EUDI-Wallet könnte das bald für Millionen Bürger möglich machen - u
nd
die Wirtschaft drückt aufs Tempo.

Berlin (dpa) - Mehr als 75 Unternehmen wollen die Einführung der
europäischen digitalen Brieftasche (EUDI-Wallet) in Deutschland
beschleunigen. Gemeinsam mit dem Branchenverband Bitkom und dem
Bundesdigitalministerium unterzeichneten sie eine entsprechende
Absichtserklärung. Anlass ist der Gipfel für europäische digitale
Souveränität in Berlin, der von Deutschland und Frankreich initiiert
wurde.

Digitale Brieftasche kommt 2026 (oder doch erst 2027)

Die Europäische Union führt die «European Digital Identity Wallet»

(EUDI-Wallet) ein, um EU-Bürgern eine elektronische Identität zu
bieten und den Zugang zu Online-Diensten zu vereinfachen. Nach
EU-Recht muss bis Ende 2026 jeder EU-Mitgliedsstaat eine Wallet für
digitale Ausweise bereitstellen. In Deutschland ist ein stufenweiser
Ausbau des Funktionsumfangs ab Anfang 2027 geplant.

Das EUDI-Wallet ermöglicht es Europäern, ihre Identität sowohl online

als auch offline zu authentifizieren und elektronisch rechtsgültige
Signaturen zu geben. In diesem digitalen Speicher können wichtige
Dokumente wie Personalausweis, Führerschein und Krankenkassenkarte
direkt auf dem Smartphone abgelegt und europaweit genutzt werden.

Feedback der Wirtschaft berücksichtigen

In dem Memorandum of Understanding kündigen die Unternehmen an, ihre
Prozesse rasch auf die Nutzung der EUDI-Wallet umzustellen. Das
Digitalministerium will die Erfahrungen der Wirtschaft in den
Umsetzungsprozess einfließen lassen. Bitkom-Präsident Ralf
Wintergerst erklärte, die digitale Brieftasche sei mehr als eine App
«Mit der EUDI-Wallet schafft Europa eine gemeinsame Infrastruktur für
den digitalen Rechtsverkehr. Sie sichert Identität, Authentifizierung
und Verifikation digitaler Nachweise - auf Basis einheitlicher
Standards und über Grenzen hinweg.»

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) sagte: «Die
EUDI-Wallet ist ein wichtiger Baustein, damit unser Land digital
souveräner, effizienter und bürgernäher wird.» Ihm sei besonders
wichtig, mit dem Start der EUDI-Wallet attraktive Anwendungsfälle
bereitzustellen, die den Bürgerinnen und Bürgern einen echten
Mehrwert bieten. «Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft garantiert
Verlässlichkeit und Planbarkeit für beide Seiten.»

Wofür kann man EUDI-Wallet nutzen?

Mit der digitalen Brieftasche nach europäischem Recht können sich
Bürger beispielsweise bei einem Behördenportal ohne große
Papierunterlagen registrieren. Möglich ist auch, ohne ein aufwendiges
Video-Ident-Verfahren ein Konto bei einer Bank zu eröffnen oder sich
bei einem Online-Dienst ein neues Konto anzulegen. Denkbar ist auch
die Nutzung der EUDI-Wallet zur Vorlage von Bildungs- und
Berufsqualifikationen bei Arbeitgebern oder Universitäten - digital,
sicher und über Grenzen hinweg. Kernfunktion der digitalen
Brieftasche ist die Speicherung und das Teilen amtlicher Dokumente
wie Personalausweis, Führerschein oder Aufenthaltsnachweis in der
App.

Viele Firmen wollen abwarten

In einer repräsentativen Umfrage wollte der Branchenverband Bitkom
wissen, wie die Wirtschaft über die digitale Brieftasche denkt. Das
Ergebnis: Das Interesse an einer Wallet-Lösung ist groß. 82 Prozent
der Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland planen, die
EUDI-Wallet künftig zu nutzen. 13 Prozent haben sich mit dem Thema
noch nicht beschäftigt und nur 2 Prozent wollen die EUDI-Wallet nicht
verwenden. 

Von den Unternehmen, die die Wallet nutzen wollen, haben erst 4
Prozent erste Schritte für den Einsatz unternommen, weitere 4 Prozent
wollen damit noch in diesem Jahr beginnen und 45 Prozent im kommenden
Jahr. Drei Viertel (75 Prozent) wollen jedoch zunächst abwarten,
welche Erfahrungen andere mit der EUDI-Wallet machen.