Bald deutlich mehr Starts der Trägerrakete Ariane 6
20.11.2025 04:45
Mehr Missionen, mehr Power: Die Trägerrakete Ariane 6 soll bald im
Serienmodus Lasten ins All bringen. Welche Premiere im kommenden Jahr
ansteht.
Bremen/Kourou (dpa) - Die europäische Trägerrakete Ariane 6 soll
künftig deutlich häufiger ins All starten. «Das Ziel für das kommen
de
Jahr ist, die Zahl der Starts der Ariane 6 im Vergleich zu 2025 zu
verdoppeln», kündigte Jens Franzeck an, deutscher Geschäftsführer d
es
Konzerns ArianeGroup. Dieses Jahr hob die Rakete bisher dreimal vom
europäischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana ab, ein
weiterer Start ist für Dezember geplant.
Der Konzern fährt dafür die Produktion an den Standorten in
Frankreich und Deutschland hoch. Die Hauptstufe wird im französischen
Ort Les Mureaux gefertigt, die Oberstufe in Bremen. Letztere gilt als
das Herz und Gehirn der Rakete, weil sie für die Steuerung des
letzten Flugabschnitts und das Erreichen des Ziels verantwortlich
ist.
In Bremen entwickelte der Konzern einen seriellen Fertigungsprozess -
ähnlich wie bei einer Fließbandproduktion im Automobilbau. Sechs
Oberstufen sollen in dem Werk künftig parallel produziert werden. Pro
Jahr sollen so zehn bis zwölf Oberstufen fertig gestellt und
ausgeliefert werden. «2027 soll das Ziel von rund zehn Missionen pro
Jahr erreicht werden», sagte Franzeck.
Erster Flug mit vier Boostern im Frühjahr 2026
Europa kann mit der Ariane 6 eigenständig größere Satelliten in den
Weltraum bringen. Ihren Jungfernflug hatte die Rakete im Sommer 2024
zwar verspätet, aber weitgehend erfolgreich absolviert. Im März
dieses Jahres folgte der erste kommerzielle Start mit dem
französischen Militärsatelliten CSO-3.
Im August startete die Rakete mit dem Wetter- und Klimasatelliten
MetOp-SG, Anfang November mit dem Erdbeobachtungssatelliten
Sentinel-1D und im Dezember soll Ariane 6 für das europäische
Satellitennavigationssystem Galileo ins All fliegen.
Je nach Mission kann die Rakete mit zwei oder vier Boostern
ausgestattet werden. Mehr Booster bedeuten mehr Schub, was für den
Start schwererer Lasten oder das Erreichen höherer Umlaufbahnen
notwendig ist. Für nächstes Frühjahr ist eine Premiere geplant: Im
ersten Quartal soll die Ariane 6 erstmals mit vier Boostern starten
und Satelliten für die Breitbandkonstellation von Amazon ins All
befördern.
Hoffnung auf Esa-Ministerratskonferenz
Der deutsche Konzernchef betont, wie wichtig dabei die Zusammenarbeit
der europäischen Länder sei. «Nationale Alleingänge bergen das
Risiko, das wir nicht das meiste aus unseren begrenzten finanziellen
Mitteln herausholen», warnt Franzeck.
Der Wirtschaftsingenieur setzt deshalb auf das anstehende Treffen der
europäischen Raumfahrtbehörde Esa. «Die Ministerratskonferenz der Esa
in der kommenden Woche in Bremen ist die Gelegenheit, dass Europa
sein Engagement für die Ariane 6 und neue gemeinsame Projekt im
Zukunftsfeld Raumfahrt verstärkt», hofft Franzeck. Bei dem Treffen
entscheiden die beteiligten Länder über das Budget von Europas
Raumfahrt in den nächsten drei Jahren.
