Erneut Gewalt in Gaza - EU will Friedensplan unterstützen

20.11.2025 05:39

Israel wirft der Hamas erneut eine Attacke auf Soldaten vor und
reagiert mit tödlichen Angriffen im gesamten Gazastreifen. Um Trumps
Friedensplan abzusichern, will auch die EU tatkräftig mitwirken.

Gaza/Tel Aviv/Brüssel (dpa) - Kurz nach Verabschiedung der
UN-Resolution zur Absicherung des Nahost-Friedensplans von
US-Präsident Donald Trump stellt ein tödlicher Zwischenfall die
fragile Waffenruhe im Gazastreifen erneut auf die Probe. Als Reaktion
auf einen mutmaßlichen Angriff auf israelische Soldaten im Süden ging
Israels Armee eigenen Angaben zufolge mit Attacken im gesamten
Gazastreifen gegen die islamistische Hamas vor. Dabei wurden laut der
von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mindestens 25
Menschen getötet. Mehr als 70 weitere Menschen hätten durch die
Angriffe Verletzungen erlitten.

«Mehrere Terroristen» hätten in der Stadt Chan Junis im Süden des
palästinensischen Küstengebiets das Feuer auf ein Gebiet eröffnet, in

dem israelische Soldaten im Einsatz seien, erklärte die israelische
Armee. Dies stelle einen Verstoß gegen das Waffenruhe-Abkommen dar.
Verletzt worden sei aufseiten der Armee gleichwohl niemand. Die Hamas
wies die Darstellung zurück, dass auf israelische Soldaten geschossen
worden sei. «Wir betrachten dies als eine gefährliche Eskalation»,
mit der Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu versuche, «den
Genozid an unserem Volk wieder aufzunehmen.»

Ungeachtet der erneuten Gewalt im Gazastreifen gehen die Bemühungen
um eine Umsetzung des Friedensplans von US-Präsident Trump weiter.
Dieser sieht unter anderem den Aufbau einer Truppe aus
internationalen Soldaten sowie die Entwaffnung der Hamas vor. Die
Europäische Union (EU) will den US-Friedensplan nicht nur mit
Hilfsgeldern unterstützen, sondern auch durch eine Ausweitung ihrer
in der Region ansässigen Grenzschutz- und Polizeimission.

EU will Führungsrolle bei Aufbau von Polizeitruppe 

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll heute bei einem
Außenministertreffen in Brüssel vereinbart werden, den Israelis und
Palästinensern ein entsprechendes EU-Engagement anzubieten und wenn
nötig Mandate für die Einsätze anzupassen. Demnach könnte die EU
über
die derzeit im Westjordanland ansässige Mission Eupol Copps eine
Führungsrolle beim Aufbau einer neuen Polizeitruppe für den
Gazastreifen spielen und mittelfristig etwa 3.000 palästinensische
Sicherheitskräfte ausbilden. Als langfristiges Ziel wird die
Ausbildung aller 13.000 voraussichtlich benötigter Kräfte anvisiert.

Kurzfristig soll Eupol Copps zudem den Wiederaufbau von Justiz- und
Sicherheitsstrukturen im Gazastreifen unterstützen und an einer unter
anderem von Deutschland finanzierten Polizeiakademie in Jericho
Trainingsprogramme für palästinensische Polizeiausbilder
organisieren. Bislang arbeitete die zivile Polizei in Gaza unter der
Kontrolle der Hamas. Die neue Polizei soll nach der zu Wochenbeginn
verabschiedeten Gaza-Resolution des UN-Sicherheitsrates eng mit der
geplanten internationalen Stabilisierungstruppe zusammenarbeiten.

Israels Armee meldet Zwischenfall auch im Norden Gazas 

Kurz vor den erneuten israelischen Angriffen im Gazastreifen hatte
die Armee einen Zwischenfall auch im Norden des abgeriegelten
Küstenstreifens gemeldet. Dabei hätten mehrere Menschen die
sogenannte gelbe Linie, hinter der sich das israelische Militär im
Zuge der Waffenruhe zurückgezogen hat, übertreten und sich Soldaten
genähert. Sie hätten eine Bedrohung dargestellt und seien deshalb
«eliminiert» worden, erklärte die Armee weiter. 

Nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa wurden
allein bei einem Angriff auf ein Gebäude, das von einer von der Hamas
kontrollierten Behörde in der Stadt Gaza im Norden des Küstengebiets
genutzt werde, zehn Menschen getötet, darunter drei Minderjährige.
Die Angaben beider Seiten lassen sich nicht unabhängig prüfen. Dass
Israels Militär auf Menschen schießt, die sich Soldaten nähern, kommt

trotz der seit dem 10. Oktober geltenden Waffenruhe nahezu täglich
vor. Stets ist dabei von «Terroristen» die Rede. 

Waffenruhe weiterhin fragil 

Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas hatte schon mehrfach
gewackelt. Bei einer der bislang schwersten Belastungsproben hatte
Israels Luftwaffe im Oktober nach einem tödlichen Angriff auf
Soldaten laut Medienberichten Dutzende Ziele bombardiert - und zwar
auch damals gleich im gesamten Gazastreifen. Dutzende Menschen waren
dabei palästinensischen Angaben zufolge getötet worden. Die Hamas
hatte auch damals die Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe israelische
Soldaten angegriffen.

Hamas fordert Druck auf Israel

Nach Israels erneuten Angriffen forderte die Terrororganisation in
einer Mitteilung auf Telegram die US-Regierung auf, ihre
«Verpflichtungen zu erfüllen» und Israel zur Einhaltung der
Waffenruhe zu zwingen, wie es hieß. Seit Beginn der Waffenruhe kamen
laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde rund 280
Palästinenser ums Leben. Die Angabe, die nicht zwischen Zivilisten
und Kämpfern unterscheidet, lässt sich nicht unabhängig verifizieren.

Auf israelischer Seite wurden seither drei Soldaten bei Angriffen
getötet, für die die Hamas verantwortlich gemacht wurde. 

Die Waffenruhe ist Teil des Friedensplans von US-Präsident Trump.
Israel und die Hamas hatten sich dabei auch auf den Austausch von
Geiseln und Gefangenen geeinigt. Inzwischen hat die Hamas alle noch
lebenden Verschleppten freigelassen und die meisten toten Geiseln an
Israel übergeben. Derzeit befinden sich noch die Leichen von drei aus
Israel entführten Geiseln in Gaza, darunter die eines Thailänders.
Die Hamas hatte angegeben, einige Leichen unter den Trümmern nicht
finden oder bergen zu können, was Israel anzweifelt.