Lagarde: Europa kann US-Zölle mit Reformen abfedern

21.11.2025 14:13

Mehr Binnenmarkt statt neuer Verträge: Die EZB-Präsidentin fordert
politische Entschlossenheit, um Wachstumseinbußen durch US-Zölle
abzufedern. Welche Hürden sie im Detail sieht.

Frankfurt/Main (dpa) - EZB-Präsidentin Christine Lagarde fordert
angesichts des angespannten Welthandels den Abbau von Hürden im
europäischen Binnenmarkt. Damit könne Europa locker die Belastungen
durch die höheren US-Zölle kompensieren: «Wenn wir nur ein Viertel
davon umsetzen würden, würde dies ausreichen, um den Binnenhandel so
anzukurbeln, dass die Auswirkungen der US-Zölle auf das Wachstum
vollständig ausgeglichen würden», sagte Lagarde beim «Frankfurt
European Banking Congress». 

Nach Ansicht von Bundesbank-Präsident Joachim Nagel könnte die
erhebliche Produktivitätslücke zwischen Europa und den Vereinigten
Staaten geschlossen werden, wenn in Europa einfachere Bedingungen für
Geschäftstätigkeiten geschaffen würden: «Hierfür ist die Regulier
ung
auf europäischer Ebene zu vereinfachen und zu harmonisieren.» 

Lagarde: Brauchen keine radikalen Schritte - nur politischen Willen 

Lagarde betonte, es sei nicht notwendig, alles in der Europäischen
Union zu harmonisieren. Nach ihrer Überzeugung würde es oft zum
Beispiel ausreichen, dass etwas, das in der EU einmal genehmigt ist,
in allen Mitgliedsstaaten zugelassen ist. «In mehreren wichtigen
Bereichen verhindert die weiterhin erforderliche Einstimmigkeit im
Europäischen Rat nach wie vor sinnvolle Fortschritte bei der
Vollendung des Binnenmarkts», sagte die Präsidentin der Europäischen

Zentralbank (EZB). 

«Die Schritte, die wir unternehmen müssen, sind nicht unerreichbar»,

sagte Lagarde. «Sie erfordern keine neuen Verträge, keine radikale
Umgestaltung unserer Union - nur den politischen Willen, die
Instrumente zu nutzen, über die wir bereits verfügen.» 

Fragmentierte Kapitalmärkte bremsen Europa 

Teil des Problems ist nach Ansicht von Bundesbank-Präsident Nagel,
dass die europäischen Kapitalmärkte noch fragmentiert und im
Vergleich zu den USA «unterentwickelt» seien. Somit falle es
Unternehmen in Europa schwerer, die für weiteres Wachstum benötigten
Finanzmittel zu beschaffen. «Daher ist es von entscheidender
Bedeutung, die Spar- und Investitionsunion rasch zu vollenden»,
mahnte Nagel.